Bunyip – Mysteriöses Amphibienmonster

| 11. Januar 2021 |

“Bunyip” bezeichnen die australischen Aborigines ein Fabelwesen aus ihrer Mythologie. Es soll in Sümpfen, Billabongs, Bächen, Flussbetten und Wasserlöchern lauern. Bunyip ist Teil der traditionellen Vorstellungen und Geschichten der Aborigines in ganz Australien, während sein Name je nach Stammesnomenklatur variiert. In seinem 2001 erschienenen Buch sprach Robert Holden von mindestens neun verschiedenen Varianten der Bezeichnung für diese Kreatur. Die Entstehung jener Unterschiede ist regional bedingt.

 

Beschreibungen

Wie seine Namen variieren auch die entsprechenden Beschreibungen Bunyips sehr stark.
George French Angus beschrieb das Wesen 1847 als eine Art Wassergeist, welcher den Murray River im Südosten Australiens bewohnt, wo er von den dortigen Einheimischen sehr gefürchtet wurde. Aber auch Angus merkte an, es sei sehr schwierig diese Kreatur zu beschreiben. Seine häufigste Form soll die eines riesigen Seesterns sein.

Die Abbildung eines Bunyip, welche von Aborigines am Ufer des Fiery Creek nahe der Stadt Ararat im südöstlichen Bundesstaat Victoria, geschnitzt wurde, hat man erstmals 1851 in der Zeitung “The Australasian” veröffentlicht. Laut Bericht wurde dieses Bunyip nach der Tötung eines Aborigines mit einem Speer durchbohrt. Der Antiquariat Reynell Johns behauptete, dass die Aborigines bis Mitte der 1850er-Jahre die Gewohnheit besaßen, den Ort jährlich zu besuchen und die Umrisse der Figur nachzuzeichnen. Jene Abbildung existiert heute jedoch nicht mehr.
In Robert Brough Smyths Buch “Aborigines of Victoria” aus dem Jahre 1878 werden dem Bunyip ganze zehn Seiten gewidmet. Allerdings wurde auch hierbei angemerkt, dass sich unter den australischen Ureinwohnern wenige Vorstellungen über Aussehen und Eigenschaften dieses Wesens gemacht wurden. Dies resultiere aus der Tatsache, dass die Angst vor jener mythischen Kreatur einfach zu groß sei, als dass man es gewagt habe, sich näher mit ihr zu beschäftigen.

Jene Bunyips, die vermutlich tatsächlich von Zeugen beobachtet wurden, passen nach ihren Beschreibungen meist in eine von zwei bestimmten Kategorien: 60% der Sichtungen ähneln Seehunden oder schwimmenden Hunden, 20% habe das Aussehen langhalsiger Kreaturen mit kleinen Köpfen. Weitere 20% lassen sich hingegen nicht eindeutig zuordnen. Die seehundähnlichen Wesen werden meistens als zwischen vier und sechs Meter lang und von einem zotteligen, braunen oder schwarzen Fell bedeckt beschrieben. Außerdem sollen diese Bunyips einen runden Kopf, ähnlich dem einer Bulldogge, hervorstehende Ohren, keinen Schwanz und Schnurrhaare wie ein Seehund oder Otter besitzen.
Die zweite Variante soll eine Länge von etwa 5 bis 15 Fuß, braunes oder schwarzes Fell, kleine Stoßzähne, große Ohren, einen Kopf wie ein Pferd oder Emu und einen Hals mit Mähne haben, welcher etwa drei Fuß lang und voller Hautfalten ist. Ihr Schwanz ähnelt dem eines Pferdes.
In Bezug auf die Lebensweise beschreibt ein Bericht der Eingeborenen das Wesen als amphibischen, nachtaktiven Bewohner von Seen, Flüssen und Sümpfen. Bunyips, so die Aborigines, können schnell mit Finnen oder Flossen schwimmen, haben einen lauten, brüllenden Ruf und ernähren sich von Krebsen. Einige Legenden sehen die Kreatur jedoch als blutrünstigen Fressfeind des Menschen, insbesondere bezüglich Frauen und Kindern. Ihre Eier legt sie angeblich in den Nestern von Schnabeltieren ab.

 

Ursprünge

Australier, die nicht zu den Aborigines zählen, haben in den letzten 150 Jahren verschiedene Versuche unternommen, die Ursprünge der Legende vom Bunyip als physisches Wesen zu verstehen und zu erklären. 1933 schrieb Charles Fenner, es sei wahrscheinlich, dass der eigentliche Ursprung des Mythos darin liege, dass von Zeit zu Zeit Seehunde den Murray River und Darling River heraufkämen. Er führte Beispiele von Seehunden an, die tief ins Landesinnere vorgedrungen waren, und erinnerte daran, dass ein glattes Fell, auffällige Augen und ein brüllender Schrei charakteristisch für diese Tiere, insbesondere südliche Seeelefanten und Leopardenrobben, sind.

Eine weitere Vermutung ist, dass der Legende vom Bunyip eine kulturelle Erinnerung an ausgestorbene australische Beuteltiere zu Grunde liegen könnte. Dr. George Bennett war der erste, welcher im Jahre 1871 diese Verbindung herstellte. Anfang der 1990er-Jahre deuteten der Paläontologe Pat Vickers-Rich und der Geologe Neil Archbold ebenfalls an, dass die Legenden der Aborigines möglicherweise aus der Bekanntschaft mit prähistorischen Knochen oder sogar lebenden prähistorischen Tieren herrühren.
In einem Artikel des Magazins “Australian Birdlife” von 2017 stellte Karl Brandt die These auf, dass Begegnungen der Aborigines mit dem Helmkasuar, einer großen, flugunfähigen Vogelart, sie zu dem Mythos inspirierten.

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