Charles Manson – Der Mörder, der nie gemordet hat

| 11. Januar 2021 |
Charles Manson ist einer der berühmtesten Serienmörder des 20. Jahrhunderts. Er wurde für sieben äußerst brutale Morde verantwortlich gemacht. Das kuriose daran: Charles Manson hat keinen dieser sieben Morde begangen und dennoch erhielt er die Todesstrafe dafür. Wie es dazu kommen konnte und was die Beweggründe des selbsternannten “Jesus Christ” waren, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Kindheit eines vernachlässigten Sohnes einer Drogensüchtigen

Charles Manson wurde am 12. November 1934 in Cincinnati, Ohio geboren. Seine Mutter, Kathleen Maddox, war zum Zeitpunkt der Geburt gerade erst 16 Jahre alt geworden. Wer der Vater ist, das lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Vermutet wird, dass ein afroamerikanischer Koch namens Colonel Scott sein Vater gewesen ist. Dies hat Manson allerdings später bestritten, da er aufgrund seiner rassistischen Denkweise nicht mit einem afroamerikanischen Bürger in Verbindung stehen wollte.
In seiner Kindheit mangelte es an einer Struktur. Mansons Mutter war mehrere Jahre lang alkoholabhängig und sehr unzuverlässig. Dadurch lebte Manson immer für kurze Zeit und ständig wechselnd bei seinen Großeltern, bei unterschiedlichen Tanten, oder auch in Heimen. Als seine Mutter dann 1939 aufgrund eines Überfalls eine Haftstrafe antrat, musste Manson für eine längere Zeit bei einer streng katholischen Tante leben. Als Manson sieben Jahre alt war, wollte seine Mutter ihn wieder bei sich wohnen lassen. Daraufhin durchlebten die beiden mehrere Jahre eine sehr turbulente und unstrukturierte Zeit, die von Armut und Unsicherheit geprägt war, da sie weder ein festes Eigenheim, noch einen geregelten Tagesablauf besaßen.
Mit dreizehn Jahren kam es dann, wie es kommen musste: Aufgrund der fehlenden Vorbilder der Eltern und des fehlenden moralischen Verständnisses beging Manson bereits in seiner frühen Jugend mehrere Diebstähle. Infolgedessen wurde er dann im Jahre 1947 in ein Heim für schwer erziehbare Jugendliche eingewiesen.

Jugend als Kleinkrimineller

Bereits vier Tage nach seiner Ankunft ging er weiteren kriminellen Aktivitäten wie Raubüberfallen nach, was dazu führte, dass er in ein anderes, strengeres Erziehungsheim verlegt wurde. Auch dort suchte er oftmals die Flucht, allerdings gelang ihm dies erst im Jahr 1951. Auf der Flucht, die er mit zwei weiteren Insassen antrat, beging er Mansons eigener Schätzung nach 20 Raubüberfälle. Allerdings wurden Manson und seine Komplizen bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle in Utah mit einem gestohlenen Auto erwischt und infolgedessen festgenommen.
Der junge Charles Manson
Daraufhin kam er in eine weitere Jugendhaftanstalt in Washington. Dort wurde auch ein erstes psychiatrisches Gutachten von Manson erstellt, was hauptsächlich seine unstrukturierte Kindheit für sein jetziges Verhalten verantwortlich machte. Nach einer weiteren Verlegung kam es bei Manson zu seinem ersten homosexuellen Übergriff als er einen Mithäftling zum Analverkehr zwang. Diese homosexuelle Neigung hatte auch im weiteren Verlauf seines Lebens Bestand, aber dennoch hatte er noch mehrere Ehefrauen. Als er dann ein weiteres Mal verlegt wurde, kam es bei Manson zu einer Änderung der Verhaltensweise. Er engagierte sich im Gefängnis, lernte das Lesen und Rechnen und wurde letztlich am 8. Mai 1954 auf Bewährung entlassen.

Weitere kriminelle Laufbahn

In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu verschiedensten Straftaten und er wurde unter anderem wegen Autodiebstahls und Zuhälterei zu mehreren Haftstrafen verurteilt. In den Jahren im Gefängnis lernte er auch, die Gitarre zu spielen und er befasste sich intensiv mit der Lehre der Scientology. Ebenfalls wurde er zu einem fast schon fanatischen Verfolger der Beatles, die auch eine maßgebliche Rolle in der Ideologie spielten, die er später entwickelte und seinen Mitgliedern der Manson Family predigte.

Die Manson Family

 

1. Der Ursprung

Im Jahre 1967 kam Manson dann wieder auf freien Fuß und er begab sich nach Berkeley in San Francisco, einer Stadt, die als Hauptstadt der Hippiebewegung bekannt war. Dort war er als Straßenmusiker tätig und lernte die Geschichtsstudentin Mary Brunner kennen, die gleichzeitig auch das erste Mitglied der Manson Family wurde. Hiermit war der Grundstein für den Aufstieg der weiteren kriminellen Karriere Mansons gelegt.

2. Die Entwicklung der Sekte

Im weiteren Verlauf schlossen sich immer mehr junge Frauen und Männer dieser Bewegung an. Manson fungierte in dieser Gruppierung als Bindeglied zwischen allen Mitgliedern. Er verhielt sich sehr manipulativ gegenüber seinen Familienmitgliedern und band sie durch exzessiven Konsum vor allem von LSD an sich. Die Familie wuchs immer weiter. Anfangs lebten sie in einem VW-Bus, später in einem umgebauten Schulbus. Als auch dieser durch die wachsende Mitgliederzahl zu klein wurde, wohnten sie ab dem November im Jahr 1967 in einem Haus in Los Angeles, das von einer befreundeten Satanistin bereitgestellt wurde. Dort feierten die Family Mitglieder viele Partys, was zu einer noch größeren Bekanntheit führte, wodurch letztendlich auch das Haus in Los Angeles zu klein wurde. Also zog die gesamte Family ein weiteres Mal um. Das neue Quartier war die Spahn Movie Ranch, die unter anderem als Drehort von Filmen und Serien wie “Bonanza” Berühmtheit erlangte.

3. Die Ideologie (Helter Skelter)

Manson entwickelte in der Zeit als Anführer der Manson Family eine sehr radikale und individuelle Ideologie, die er seinen Familienmitgliedern meist während wilder Drogenexzesse predigte und näherbrachte. Ein großer Bestandteil dieser Ideologie war in jedem Fall der Rassismus. In der Manson Family gab es keine afroamerikanischen Mitglieder und auch das Hören von Musik afroamerikanischer Künstler war strengstens untersagt.
Ein weiterer zentraler Bestandteil seiner Ideologie war das sogenannte “Helter Skelter”, was übersetzt soviel wie “Holterdiepolter” bedeutet. Laut Manson stand in Amerika ein alles verändernder Rassenkrieg bevor. Alles würde damit beginnen, dass die afroamerikanische Bevölkerung rebellieren würde und mehrere Morde an reiche Amerikaner begehen würde. Daraufhin käme es dann zu einem Rassenkrieg, der damit enden würde, dass die gesamte weiße Bevölkerung getötet werden würde. Die Manson-Family verstecke sich während der gesamten Zeit in einer Höhle, die gleichzeitig auch den Eingang zum Paradies darstelle. Wenn nun die afroamerikanische Bevölkerung alle Weißen getötet habe, dann bemerke sie laut Manson, dass sie aufgrund ihrer “sklavischen Natur” nicht dazu in der Lage sei, sich selbst zu regieren. Dies sei der Zeitpunkt, an dem die afroamerikanische Bevölkerung dann Charles Manson zu ihrem Anführer wähle. Der Begriff “Helter Skelter” ist hierbei an den gleichnamigen Song der Beatles angelehnt, aus der Manson diese Botschaft fälschlicherweise ableitete. Dadurch waren die Beatles für Manson auch vier Engel, die den Rassenkrieg beschwört haben.

Die bekanntesten Morde an berühmte Personen

Nachdem Mansons Prophezeiung nicht in Erfüllung gegangen ist, war er der Meinung, dass er den Rassenkrieg selbst mit Hilfe von Morden auslösen müsse.

1. Die Tate-Morde

Am 9. August 1969 wurden die hochschwangere Sharon Tate, Jay Sebring, Wojciech Frykowski, Abigail Folger und Steven Parent in der Villa von Sharon Tate ermordet. Die Täter: Susan Atkins, Linda Kasabian, Patricia Krenwinkel und Charles Watson. Allesamt waren sie Mitglieder der Manson Family und haben im Auftrag von Charles Manson gehandelt. Um kurz nach Mitternacht betraten die vier Family Mitglieder das Anwesen. Dort kam ihnen Steven Parent mit seinem Auto entgegen, der lediglich den Hausmeister der Villa besuchte. Er wurde in seinem Auto völlig wehrlos mit vier Schüssen aus einem Revolver getötet. Die anderen vier Opfer wurden im Wohnzimmer zusammengetrieben, wo Jay Sebring nach kurzer Zeit mit einem Schuss und sieben Messerstichen getötet wurde. Frykowski und Folger unternahmen einen letzten Fluchtversuch, konnten allerdings im Garten gestoppt werden und wurden an Ort und Stelle auf brutalste Art und Weise hingerichtet. Frykowski starb durch 13 Schläge mit dem Revolver auf dem Kopf und 51 Messerstiche, während Folger durch 28 Messerstiche starb. Die im Haus zurückgebliebene Sharon Tate starb ebenfalls durch 16 Messerstiche und auch ihr ungeborenes Kind überlebte nicht. Nach der Tat wurde das Wort “PIG” mit dem Blut von Tate an die Haustür geschrieben.

2. Die LaBianca-Morde

Nur zwei Tage hat es nach den Tate-Morden gedauert, bis Manson wieder mehrere Family Mitglieder losschickte, um sein schreckliches Werk zu vollbringen und das Unternehmerpaar Leno und Rosemarie LaBianca töten zu lassen. Dieses Mal war er anfangs noch selbst am Tatort, fesselte die Opfer und verschwand danach. Die Family Mitglieder Charles Watson, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten blieben zurück und richteten das Ehepaar hin. Auch bei diesem Mord wurden beide Personen durch Stichwunden getötet. Zudem haben die Täter dem Ehemann Leno LaBianca das Wort “WAR”, also Krieg, in die Brust geritzt und mit seinem Blut “Helter Skelter”, “Rise” und “Pigs” an die Wände geschrieben. Durch diese Botschaften, die mit dem Blut bei den LaBianca- und den Tate-Morden geschrieben wurden, wird das Motiv der Morde deutlich. Die reiche, weiße Oberschicht wird als Schwein (“PIG”) bezeichnet und die schwarze Bevölkerung soll sich erheben (“Rise”). All dies soll dann zu Krieg (“WAR”) und dem von Manson prophezeiten “Helter Skelter” führen. Manson hat die Morde also höchstwahrscheinlich begangen, um einen Rassenkrieg zu provozieren, bei dem er laut eigenen Aussagen als Herrscher über die gesamte Bevölkerung hervorgeht.

Festnahme, Gefängnisaufenthalt und das Ende eines grausamen Sektenführers

Nach den Morden gab es anfangs keine direkte Spur, die zur Manson Family führte. Allerdings wurden mehrere Mitglieder und unter anderem auch Manson selbst wegen Autodiebstahls verhaftet, allerdings nach Denn am 12.Oktober 1969 folgte eine Polizei-Razzia, da mehrere Mitglieder der Brandstiftung und des Diebstahls bezichtigt wurden. Unter anderem wurde auch Susan Atkins inhaftiert, die im Gefängnis damit prahlte, an den Tate-Morden beteiligt gewesen zu sein, wodurch die Ermittler die Morde aufklären konnten. Charles Manson, Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten wurden deswegen wurden daraufhin zum siebenfachen Mord angeklagt. Auch Linda Kasabian wurde angeklagt, allerdings trat sie als Kronzeugin auf, wodurch ihr eine Bewährungsstrafe gewährt wurde. Der folgende Prozess war der damals längste in der US-Geschichte und hielt vom Juli 1970 bis zum März 1971.
Die Hauptangeklagten wurden schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Allerdings wurde die Todesstrafe kurz darauf abgeschafft und die Verurteilten traten eine lebenslange Haft an. Während des Prozesses brannte Charles Manson sich zuerst ein Kreuz auf seine Stirn, das dann im Verlauf des Prozesses zu einem Hakenkreuz wandelte, wodurch Mansons rassistische Einstellung noch deutlicher zum Vorschein kam.

Während Mansons Gefängnisaufenthalt kam es zu zahlreichen Verlegungen und auch zu vielen Anfeindungen innerhalb des Gefängnisses. So überlebte er im Jahr 1973 einen Giftanschlag nur knapp und 1984 wurde Manson von einem anderen Sträfling mit einem Lack übergossen und angezündet, was er nur mit schwersten Verbrennungen überlebte. Am 19. November 2017 und im Alter von 83 Jahren starb Manson dann an den Folgen einer Darmkrebserkrankung in einem Krankenhaus.

 

 

Charles Manson im Jahr 2009

 

Wie man also sehen kann war Charles Manson schon von seiner Kindheit an von Gewalt und Kriminalität umgeben. Das Durchlaufen von unzähligen Heimen, Besserungsanstalten und Jugendgefängnissen verstärkten die psychische Labilität von Manson. Letztendlich führte all das dazu, dass Manson zu einem gewissenlosen Sektenanführer aufstieg, der ohne moralische Maßstäbe Entscheidungen traf und dazu in der Lage war, Menschen mit seinem körperlichen, aber vor allem mit seinem psychischen Einfluss dazu bringen konnte, Gräueltaten zu begehen, die von jeglichem Werte- und Moralverständnis losgesprochen waren und seiner Weltvorstellung entsprachen. So wurde Charles Manson zu einem siebenfachen Mörder, der nie gemordet hat.

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