Chris Watts: Hinterhältiger Mord an seiner Familie

| 11. Januar 2021 |

Am 13. August 2018 ermordete Chris Watts seine Frau Shanann und die beiden Töchter. Die beiden kleinen Mädchen Celeste und Bella waren zum Zeitpunkt ihres Todes erst drei beziehungsweise vier Jahre alt. Ganz Amerika war entsetzt, als die Morde entdeckt wurden. Das Entsetzen wurde noch größer, als bekannt wurde, dass Chris Watts, der Ehemann und Vater, der Mörder war. Vor Gericht bekannte er sich schuldig und heute sitzt er fünf lebenslange Haftstrafen ab. Wie ist es aber so weit gekommen, dass Chris Watts seine Familie umgebracht hat und wie konnte er von den Ermittlungsbehörden überführt werden?

 

Das Verschwinden von Shanann und den beiden kleinen Mädchen

In den frühen Morgenstunden des 13. Augusts 1918 brachte Nickole Atkinson ihre Freundin Shanann nach Hause. Shanann Watts wohnte mit ihrem Ehemann Chris und den beiden Töchtern Celeste und Bella in Frederick im US-Bundesstaat Colorado. Die beiden Frauen waren zusammen auf einer Geschäftsreise gewesen. Nickole versuchte wenige Stunden später vergeblich Shanann zu erreichen. Nachdem die schwangere Shanann einen Termin beim Frauenarzt versäumt hatte, war Nickole sehr besorgt. Sie rief Chris Watts an. Dieser versuchte sie zu beschwichtigen. Seine Frau sei mit den Kindern weggefahren. Nickole alarmierte trotzdem die Polizei.

Die schwangere Shanann und die beiden Mädchen Bella und Celeste waren verschwunden. Die Polizei nahm die Angelegenheit ernst und wurde auch gleich tätig. Am Nachmittag des gleichen Tages führte sie eine Untersuchung im Haus durch. Dort stellten sie fest, dass das Bett nicht angezogen war, ein Bettlaken fehlte und der Ehering auf dem Nachttisch lag. Ein fehlendes Bettlaken wurde später im Hausmüll entdeckt.

Der Wagen der jungen Frau war noch vor Ort und auch die Kindersitze für die Kinder. Dies widersprach aber der Behauptung, sie sei mit dem Kindern weggefahren. Auch andere elementare, persönliche Gegenstände fanden die Beamten im Haus. Am folgenden Tag wurden Shanann und ihre beiden Töchter offiziell für vermisst erklärt.

Chris Watts behauptete zuerst gegenüber der Polizei, er wisse nicht, wo seine Ehefrau und seine Töchter sein könnten. Er zelebrierte Auftritte vor den Medien und fand dort die richtigen Worte. Er bat die Mitmenschen eindringlich, bei der Suche nach seiner vermissten Familie zu helfen. Weiter flehte er Shanann, Celeste und Bella an, zu ihm zurück zu kommen, da das Haus ohne sie so still sei.

 

Das Geständnis des Mörders

Die Ermittlungsbehörden blieben während Chris Watts Aktivitäten vor den Medien auch nicht untätig. Die Polizeibehörde vor Ort hatten sich mit Unterstützung des CBI, des Colorado Bureau of Investigation sowie des FBI die Telefonaufzeichnungen von Chris Watts angesehen. Aus diesen ging hervor, dass er mit einer seiner Mitarbeiterinnen eine Affäre hatte. Die Polizei fertigte ein Bewegungsprofil seines Wagens an und machten einen Lügendetektortest mit ihm. Bei diesem Test fiel er durch. Die Polizei suchte dazu die Orte ab, an denen sich Chris Watts am 13. August 2018 aufgehalten hatte. Auf einem Ölfeld seines Arbeitgebers wurde ein weiteres Bettlaken entdeckt. Dieses passte zum Laken im Müll. Damit änderte sich alles.

Chris Watts versprach beim Gespräch den Ermittlern, die Wahrheit zu sagen, wenn er zuvor mit seinem Vater sprechen könne. Es wurde ihm erlaubt. Die Ermittler verließen den Verhörraum und sein Vater kam herein. Das Aufnahmegerät lief aber in dieser Zeit weiter. Seinem Vater gegenüber gestand Chris Watts, dass er Shanann getötet hatte.

Die Ermittler schalteten sich wieder ins Gespräch ein und Chris erzählte ihnen, wo er die Leichen entsorgt hatte. Die Polizei fand die drei toten Körper genau dort, wo Chris es angegeben hatte. Auf diesem Ölfeld, auf dem auch das Bettlaken entdeckt wurde, hatte er Shanann vergraben. Seine beiden Töchter hatte er in zwei Öltanks entsorgt. Nur acht Tage nach der Tat, am 21. August 2018, wurde Chris Watts wegen der Morde an seiner Ehefrau und an seinen Töchtern angeklagt.

Die Öffentlichkeit war schockiert. Des Mordes wurde jener Mann angeklagt, der zuvor noch im Fernsehen um die Rückkehr seiner Frau und seiner Kinder gefleht hatte.

 

Verschiedene Versionen über den Hergang der Tat

Chris Watts hat seine Geschichte über den Hergang der Tag mehrmals geändert. Je länger, je mehr gab er zu. In einer ersten Version hatte er seiner ermordeten Ehefrau die Schuld in die Schuhe geschoben. Er habe von ihr die Scheidung verlangt und sie habe sich an ihm gerächt und die beiden Mädchen umgebracht. Daraufhin habe Chris seine Ehefrau in einem Wutanfall erwürgt und die drei Leichen an den späteren Fundort gebracht. Auf die Frage, warum er die beiden Mädchen nicht wiederbelebt hatte, nachdem Shanann sie angeblich erwürgt hatte, konnte er keine schlüssige, nachvollziehbare Antwort geben. Er habe nicht gewusst, wie viel Druck er bei einer Herzmassage ausüben könne.

An der Gerichtsverhandlung erzählte Chris Watts eine neue Version der Geschichte. Er gestand, seine Frau, Bella und Celeste getötet zu haben. Er bekannte sich in allen Anklagepunkten, die ihm zur Last gelegt wurden, für schuldig. Die Staatsanwaltschaft verzichtete dafür darauf, die Todesstrafe zu verlangen. Chris Watts wurde unter anderem wegen fünffachem Mord schuldig gesprochen. Weil seine beiden Kinder jünger als 12 Jahre alt waren, zählte der Mord an ihnen doppelt. Shanann war zum Zeitpunkt ihres Todes schwanger gewesen. Deshalb wurde ihm auch ein unerlaubter Abbruch der Schwangerschaft zur Last gelegt, sowie die ordnungswidrige Beseitigung dreier Leichen. Chris Watts wurde zu fünf lebenslangen Haftstrafen wegen der Morde verurteilt. Für die anderen Verbrechen war die Strafe weitere 84 Jahre Haft.

Einige Monate nach seiner Verurteilung enthüllte Chris Watts in einem Gespräch den Ermittlern gegenüber eine weitere Version. Es wird vermutet, dass diese Geschichte der Wahrheit am nächsten kommt. Chris und Shanann hätten sich am Morgen des 13. August 2018 wegen seines Wunsches nach einer Trennung gestritten. Im Laufe dieses Streits erwürgte er sie zu Tode. Die Kinder sahen ihn zusammen mit der toten Shanann im Schlafzimmer. Das war ihr Todesurteil. Er lud die beiden Mädchen in den Wagen und brachte sie zusammen mit der Leiche der Mutter zum Ölfeld. Dort erstickte er seine beiden kleinen Töchter, entsorgte sie in den Tanks und vergrub Shanann.

In Briefen, die Chris Watts aus dem Gefängnis heraus schrieb, enthüllte er, dass er geplant hatte, seine Familie zu töten. Der dreifache Mord war keineswegs eine spontane Tat im Laufe eines Streits gewesen. Es kam ebenfalls ans Licht, dass er zuvor bereits versucht hatte, eine Fehlgeburt bei seiner Ehefrau herbeizuführen. Er hatte kein weiteres Kind mit Shanann gewollt. Die beiden hatten zuvor sogar schon einen Namen für den ungeborenen Jungen ausgesucht. Er hätte Nico heißen sollen.

 

Unklare Rolle seiner Freundin

Chris Watts hatte ein Verhältnis mit Nichol Kessinger, genannt Nikki. Sie ist eine Arbeitskollegin von Chris. Mit dieser war er einige Wochen zuvor zusammen gekommen. Welche Rolle seine Freundin genau spielte, ist nie genau und abschließend geklärt worden. Es deutete nichts darauf hin, dass sie an der Ermordung von Shanann beteiligt sein könnte. Klar scheint aber zu sein, dass sie entgegen ihrer Aussagen zum Zeitpunkt der Affäre genau gewusst hatte, dass Chris Watts verheiratet war.

Die bestritt dies zwar. Es gab aber Hinweise, dass sie im Internet über Shanann Watts recheriert und deren Namen in einer Suchmaschine eingegeben hatte. Auch gab es Hinweise, dass Chris Watts ihr versprochen hatte, sich für sie von seiner Frau trennen zu wollen. Demzufolge muss sie doch gewusst haben, dass Chris mit einer Frau namens Shanann verheiratet war. Klar war, dass Chris für seine neue Liebe frei sein wollte und Shanann seinem neuen Liebesglück im Weg stand. Auch sollte Nichol die Mutter seines ersten Sohnes werden und nicht seine Noch-Ehefrau Shanann.

 

Eine Dokumentation beleuchtet den Fall

Netflix veröffentlichte eine Dokumentation über die Morde von Chris Watts an Shanann, Celeste und Bella. Dadurch wurde der Öffentlichkeit das grausame und sinnlose Verbrechen wieder in Erinnerung gerufen. Dadurch werden die Opfer der Tat nicht vergessen. Dabei wird aber dem Täter sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Opfer rücken dabei in den Hintergrund – wie dies bei Dokumentationen oft der Fall ist.

Das besondere an der Dokumentation von Netflix sind zuvor noch nie gesehenes Polizeimaterial und Beiträge aus sozialen Medien, die gezeigt werden. Den Zuschauern werden in der Dokumentation viele Beweise präsentiert. Eine abschließende Antwort auf die wichtigste Frage im Zusammenhang mit diesen grausamen Morden aber fehlt: Warum hat Chris Watts eine Ehefrau und seine beiden kleinen Töchter wirklich getötet? Genau weiß dies wohl nur Chris Watts selber, wenn überhaupt.

 

Chris Watts heute

Chris Watts sitzt heute seine Strafe in einem Hochsicherheitsgefängnis ab. Er hat keine Möglichkeit, eine Bewährung zu erhalten und das Gefängnis je wieder verlassen zu können. Im Dezember 2018 wurde er von Colorado aus Sicherheitsgründen in ein Gefängnis in Wisconsin verlegt. Er ist 23 Stunden am Tag in seiner Zelle im Gefängnis eingesperrt. Und dies wird bis zu seinem Lebensende so bleiben.

Den Film über ihn wird sich Chris Watts wohl nie ansehen. Der Berichterstattung in den Medien folgt er absichtlich ebenfalls nicht. Nach seiner Verurteilung, als sein Fall noch sehr präsent war in den Medien, erhielt Chris Watts sehr viel Fanpost und auch Liebesbriefe von Frauen. Diese Schreiben hat er auch beantwortet. Aus einigen dieser Briefwechsel sind Brieffreundschaften entstanden, die Chris Watts noch heute pflegt.

Auch fand Chris Watts Berichten zufolge zur Religion. Bekannte berichten, dass er seine Taten zutiefst bereue und jene Minute daran denke. Er sei in einer Hölle gefangen, die er sich selbst errichtet habe.

 

Quellen

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