Das Monster aus dem Totasee – ein Fall für den Exorzisten?

| 11. November 2020 |

Einer der Eroberer Kolumbiens soll für die Jagd auf das Monster vom Totasee verantwortlich sein. Gonzalo Jimenez de Quesada soll das Seeungeheuer, das auch als Diablo ballena (Teufelswal) oder als Drache bezeichnet wird, als erster gesehen haben – so erzählen es jedenfalls die Ureinwohner der Region. Die Kreatur aus dem See sah aus ein wie ein Fisch mit einem schwarzen Kopf, der wiederum “rinderähnlich” war. Die Beschreibung des monströsen Fisches, der noch größer als ein Wal gewesen sein soll, stammt aus dem Jahr 1676.

 

Der Teufel im Lake Tota

Die vom kolumbianischen Priester und Historiker Lucas Fernandez Piedrathita veröffentlichte Beschreibung verursachte Schockwellen unter den Kirchenmännern. Sein Bericht vom 12. August 1676 bezog sich wiederum auf die Aussage des kolumbianischen Eroberers de Quesada. Denn dem hätten seinerzeit vertrauenswürdige Personen aus der indianischen Bevölkerung bestätigt, dass es sich bei der Kreatur um den Teufel handele – höchstpersönlich. Eine ungeheuerliche Behauptung, die die Kirche auf den Plan rief.

 

Ein Monster im Zaubersee

Der Diplomat und Forscher Gaspard Theodore Mollien beschrieb das Seeungeheuer in seinem Buch aus dem Jahr 1823 wie folgt:

Die Menschen hier sagen, dass der See nicht mit Schiffen befahren werden kann. Es wohnen bösartige Gestalten in der Tiefe. Die Einwohner behaupten, dass man die Pforten zu deren Wohnungen von der Mitte des Sees aus sehen kann. Und manchmal erhascht man dann auch einen Blick auf den monströsen Fisch. Die Inseln auf dem See soll nur eine einzige Person je besucht haben, fährt Mollien fort. Denn jeder glaubt, dass der See verzaubert ist. Den Grund des Sees beschreibt Mollien wie voller Kieselsteine.

 

Pilgerfahrten zum “Humbug”

Fast 30 Jahre später, im Jahr 1852, reist Manuel Ancizar an den See. Der Kolumbianer war Schriftsteller, Professor, Journalist und Politiker und auch er schrieb über das Monster Diablo ballena vom Totasee:

Die Menschen glauben diesen Humbug vom Monster im Süsswasser, so Ancizar. Und so hat niemand den Mut, die kleinen Inseln oder gar den See zu erkunden. Kürzlich erschien ein Engländer vor Ort, der sich ein Floß aus Schilf baute und auf die größte der See-Inseln übersetzte. Dort traf er auf schüchterne Rehe, die ein friedliches Dasein führten. Daraufhin segelten auch andere Männer auf Flößen und Kanus zur Insel hinaus und bevölkerten sie.

 

Was die Muisca sagen

Die Ureinwohner, die indigenen Muisca, berichten nicht von einem Monster im Totasee. Das Seeungeheuer wird als Muyso Akyqake – als ein Drache beschrieben, der im Wald Tchiqake lebt. Der Drache soll für die Muisca ein urbildliches und heiliges Tier sein, so die Analysen der Linguisten und Experten der Pariser Sorbonne Universität.

Allerdings berichten die Muisca auch von einem weisen und alten Priester, namens Moneta. Dieser soll Busiraco, einen bösen und grausamen Geist aus dem Lake Tota vertrieben haben. Nach einem Bericht der Muisca entstand der See aus einer Höhle, die einst von einer gefährlichen Riesenschlange bewohnt war. Der Bericht beschreibt die Ereignisse wie folgt:

Eine Schlange stirbt und ein See wird geboren

In der natürlichen Vertiefung auf unserem Gebiet lebte eine riesige schwarze Schlange mit funkelnden Augen. In ihrer Grotte schlängelte sie sich arglistig und unheilvoll bis an den Eingang. Dort wartete sie – wie jede Nacht – auf einen Ball aus Feuer. Im Moment bevor der all nächtliche Feuerball in den Tiefen der Erde versank, stieß der Busiraco ein schrilles Gelächter des Triumphs hervor – das weithin für Angst und Schrecken sorgte.

Das Wunder geschah, nachdem eine Tänzerin die Schlange mit einer goldenen Scheibe tödlich verletzt hatte. Nun warf der Priester Moneta einen wertvollen Stein auf die Schlange, woraufhin sich die unermessliche große natürliche Höhle mit reinstem Wasser und weißem Schaum füllte. Die Bekämpfung des Monsters führte schließlich zur Entstehung des Totasees, der die Region mit Wasser versorgte. Bis zum heutigen Tag.

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