Das Monster von Stronsay

| 30. Dezember 2020 |

Der Sturm im Winter des Jahres 1808 versetzte die Bevölkerung im Norden Schottlands in blankes Entsetzen: Die wilde See spülte eine große, wuchtige Kreatur an Land. Niemand hatte eine Erklärung, doch vor fast 200 Jahren strandete etwas Unheimliches und Riesiges am Strand von Stronsay. Gelehrte der Schottischen Universität untersuchten seinerzeit den unförmigen Kadaver, doch niemand konnte das Rätsel um das „Strongsay Beast“ entschlüsseln. Bis heute nicht.

 

Die See spült das Beast an

Es war einer der schweren Stürme und damit eigentlich nichts Neues für die Einwohner der Orkney-Insel Stronsay. Das stürmische und kalte Winterwetter brachte am 25. September 1808 brachte jedoch etwas zutage, was niemand je zuvor gesehen hatte. Gefunden wurde das „Seemonster“ drapiert über einen aus dem Wasser ragenden Felsen. John Peace entdeckte das Gebilde zuerst, dessen Haut über und über mit Borsten bedeckt war. Mit dem Haken seines Fischerboots hob er eine Flosse an und holte einige der Borsten an Bord. Auch ein anderer Inselbewohner, George Sherer, hatte die Kreatur bereits vom Strand aus gesichtet. Und auch er entschied sich, zu warten. Denn früher oder später würde der Kadaver an den Strand der Insel gespült werden. Lange mussten sie nicht warten, denn schon kurze Zeit später wusch ein weiterer schlimmer Sturm das Monster an Land. Drei der Inselbewohner, John Peace, George Sherer und Thomas Fotheringham wagten sich heran. Auch Michael Folsetter kam hinzu und auch er konnte sich keinen Reim aus dem riesigen Klumpen Fleisch machen.

 

Wissenschaftler treffen auf den Orkney-Inseln ein

Allesamt waren sie erfahrene Seeleute oder Ureinwohner der Orkney-Inseln. Fast täglich führen sie auf die See hinaus. Doch so etwas Großes und Unheimliches hatten sie noch nie gesehen. Vom Aufruhr auf Stronsay erfuhr schließlich auch die Presse. Die folgenden Berichte mobilisierten die Experten des Festlands, die das Stronsey-Monster unter die Lupe nehmen wollten. Doch sollten genau die Stürme, die das Monster an Land brachten, die Ankunft der Naturalisten von der Edinburgh Wernerian Gesellschaft und der Königlichen Gesellschaft von London zunächst verhindern. Die Flut, das raue und kalte Wetter trieben jedoch den Verfall der Karkasse voran. Währenddessen nahmen die Inselbewohner Maß und Petrie fertigte eine Zeichnung an. Dr. Barclay von der Wernerian Society und Mr. Everard Home von der Royal Society untersuchten schließlich den Kopf, einige Wirbel und die Borsten, die John Peace und George Sherer sichergestellt hatten. Das Interesse an der geheimnisvollen Kreatur wuchs weiter. So weit, dass schließlich sogar die Zeugen von Stronsey vor dem Magistrat in Orkney befragt wurden.

 

Borsten leuchten im Dunkeln

Die Kreatur war 16,8 Meter (55 englische Fuß) lang – ohne den fehlenden Schwanz. Der Querschnitt des Tieres war oval. An der dicksten Stelle maß der Körper 1,20 Meter (4 Fuß) im Durchschnitt. Sein Umfang betrug 3,1 Meter (10 Fuß). Die von Petrie angefertigte Zeichnung zeigt ein Kreatur mit kleinem Kopf, sehr langem Hals (3 Meter), dünnem Körper und drei Paar Gliedmaßen. Die schuppenlose Haut war grau. Vom Kopf erstreckte sich eine Mähne über den Rücken des Tieres bis um Schwanz. Geschlechtsorgane wurden keine entdeckt. Der Magen der Bestie war aufgeplatzt und eine rote Flüssigkeit breitete sich aus. Dr. Barclay schloss aus den Berichten, dass eine neue Spezies angespült worden war: Der Verdacht fiel auf den Halsydrus Pontoppidani, eine Pontoppidanische Wasserschlange des Meeres. Benannt wurden die Wasserschlangen nach dem Norwegischen Bischof Erik Ludvigsen Pontoppidan , der im 18. Jahrhundert Berichte von Seeungeheuern sammelte.

 

Keine DNA des Seeungeheuers

Everard Home, der zweite Experte bei der Analyse, hatte die Karkasse zwar nicht gesehen, zweifelte aber aufgrund der Berichte und der Zeichnung von Sir Alan Gibson die Länge des Tieres ab: Höchstens 35 Fuß könnte diese betragen haben – immerhin noch mehr als 10 Meter. Schließlich identifizierte der später zum „Sir“ ernannte Everard Home die Kreatur als einen Riesenhai. Diese verlieren in einem sehr frühen Verwesungsstadium ihren Kiefer. Bei der Mähne, so Everard Home, könnte es sich um das für die Verwesung typische zerfranste Muskelgewebe gehandelt habe.

Schließlich brachte man Teile der Überriste in das Royal Museum von Schottland in Edinburgh. Die Konservierung in Chemikalien macht eine moderne DNA-Untersuchung allerdings unmöglich. Die nach London gebrachten Überreste wurden bei deutschen Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört.

 

Sichtungen – seit Anbeginn der Zeiten

Die Berichte um Seeungeheuer rund um Orkney reißen nicht ab. Auch in 1946 wurde wieder eine ähnliche Kreatur gesichtet. Nicht nur in Orkney, sondern auch weltweit existieren Berichte sehr ähnlicher Kreaturen. Eine alte Volkslegende erzählt bereits vom „Uilebheist“, dem schottisch-gälischen Wort für ein Seeungeheurer mit langem Hals. Wurde in Stronsay etwa das uralte Seeungeheuer „Uilebheist“angespült, das angeblich die Küstengegenden von Orkney schützt? Vielleicht können irgendwann die Gewebeproben doch noch untersucht werden und Klarheit bringen. Und vielleicht wird irgendwann noch einmal ein Nachfahre vom „Uilebheist“ angespült.

Bildrechte: Kingovrats / deviantart

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