Ed Gein- der mutterfixierte Mörder, Grab- und Leichenschänder

| 11. Januar 2021 |

Edward Theodore Gein wurde 27. August 1906 im Bundesstaat Wisconsin in La Crosse geboren. Anfang der 1920er zog die Familie auf eine Farm nahe Plainfield. Er wuchs dort zusammen mit seinem 5 Jahre älteren Bruder Henry und seinen Eltern Augusta Wilhelmine und George Philip. Seine Kindheit war geprägt von den Gewaltausbrüchen und dem stetigen Absacken des Vaters. Doch auch seine Mutter trug ihren Teil zur Erziehung bei. Sie erzog und formte die Jungs auf der Farm nach Ihren Vorstellungen und fanatischen Ansichten. So schaffte Augusta bis über ihren Tod hinaus eine Abhängigkeit zu Ed, die später zu seinen schrecklichen Taten führte.

 

Das Leben der Familie Gein – Fanatismus und Isolation

Edward oder von allen auch kurz Ed genannt verlebte seine Kindheit nahe der 650-Seelen-Gemeinde Plainfield. Dort kaufte die Mutter 1914 mitten im Nirgendwo ein Stück Land mit einem Farmhaus. Dies finanzierte Augusta durch den Verkauf des eigenen Lebensmittelladens und hartes Sparen. Die Abgelegenheit entsprach ihrer Vorstellung für eine sündenfreie Umgebung. Auf der Farm verfolgte die Mutter das Ziel, ihren Söhnen ihre religiösen Ansichten einzutrichtern. Täglich vermittelte sie Ed und Harry Inhalte aus dem Alten Testament. In diesen Lektionen ging es vor allem um Buse und Sünde. Augusta bläute ihren Söhnen ein, dass sich Frauen von Haus aus prostituieren und zudem alle Huren sind. Sex diene lediglich der Fortpflanzung. Jegliche Lust ist ein Laster und eine Verlockung des Teufels selbst. Sie wollte die absolute Kontrolle über ihre Kinder und sah in der Isolation mit täglicher Arbeit in Verbindung mit den Bibelstunden die einzige Möglichkeit darin. Ihrem Mann gegenüber war Augusta Gein ebenso gewaltätig wie ihren eigenen Söhnen. Allerdings verachtete sie ihren Mann zutiefst, da dieser alkoholkrank war. Auch der Vater schlug regelmäßig Henry und Ed. Trotz der Dominanz der Mutter und der Abscheu, die sie dem eigenen Mann entgegenbrachte, war für sie eine Trennung ausgeschlossen. Sie war so tiefgläubig, dass sie lieber ein Leben mit diesem Mann hinnahm, als ihren eigenen Glauben zu widersprechen. Doch nicht nur innerhalb der Familie übte Augusta ihren Kontrollwahn aus.

 

Sozial abgeschirmt – Der Eigenbrötler Ed Gein

Um keine anderen sozialen Einflüsse von außen zuzulassen, durften die Gein-Kinder zudem keine Freundschaften pflegen. Fand Edward Anschluss zu anderen Kindern, so fand Augusta immer Gründe, um jeglichen weiteren Umgang mit ihnen zu verbieten. So blieb Ed auch auf sozialer Ebene entwicklungsverzögert. Bei seinen Schulkameraden galt er immer als sehr weiblich. Denn er sprach nur mit leiser, sanfter Stimme, weinte schnell und ist bereits zu diesem Zeitpunkt anders als Kinder in diesem Alter. Er hatte so nie gelernt, wirklich mit seinen Mitmenschen umzugehen. Auch als Erwachsener kicherte er in Gesprächen zu unpassenden Momenten. Gegenüber Mädchen und Frauen verhielt er sich ebenfalls merkwürdig. So starte er diese mit einem durchdringenden Blick an, was diese als äußerst unangenehm empfanden. Dennoch nahm ihn sein Umfeld auch in späteren Jahren als stets pflichtbewusst und eher unscheinbar. Er galt als Eigenbrötler, der einfach nur sonderbar war.

 

Gewalt als Liebesersatz – Die göttliche Mutter

Die Beziehung zu seiner Mutter war paradox. Trotz der Gewalt ihm gegenüber war Augusta für Ed Gein beinahe göttlich und unfehlbar. In späteren Verhören und Gesprächen mit Gutachtern gab er immer an, sie wäre immer gut und gerecht zu ihm gewesen. Durch sein Entwicklungsdefizit konnte er auch Gesprächen mit Gleichaltrigen nichts abgewinnen. Für ihn bestätigten die Themen nur die Aussagen seiner Mutter, dass die Welt aus Sünde und Sex besteht. Die Beziehung wurde schließlich so eng, dass er wie besessen von seiner Mutter war. Anders verhielt es sich hier allerdings mit seinem Bruder Henry. Als junger Mann bricht Henry aus der Isolation der Mutter aus und trifft sich mit Mädchen. Er machte sich zudem Sorgen um seinen jüngeren Bruder Ed. Ed Gein allerdings betrachtet die Entwicklung geschockt, denn seine Mutter ist neben Henry die einzige Bezugsperson in seinem Leben. Die Versuche des großen Gein-Bruders, das krankhafte Band zwischen Mutter und Sohn zu therapieren, scheiterten. Letztlich war es wahrscheinlich der Lebenswandel, der Henry Gein das Leben kostet. Kurz nach dem Tod von ihm erlitt seine Mutter einen Schlaganfall. 1945 verstarb auch sie. Dennoch blieb Augusta Gein immer ein Teil von Eds Leben – durch und in seinen Taten.

 

Der Tod des eigenen Bruders – So fing es an

Den ersten Mord, den Ed “The Butcher” Gein beging, wahr höchstwahrscheinlich der an seinem eigenen Bruder 1944. Dieser wurde nach einem Brand gefunden, der außer Kontrolle geraten war. Edward gab an, sie wollten das Feld abbrennen um es anschließend umzupflügen. Allerdings habe er und Henry sich während der Arbeit verloren. Als er ihn nicht mehr finden konnte, holte er sich Hilfe bei der örtlichen Polizei. Was allerdings hier dem Sheriff bereits auffiel war, dass Ed die Polizisten gezielt Richtung seines Bruders führte. Henry wurde allerdings tot aufgefunden. Er lag mit dem Gesicht nach unten im Feld. Auch konnten keine Brandspuren an der Leiche festgestellt werden. Auffällig waren aber blaue Hämatome am Hinterkopf. Der Gerichtsmediziner jedoch stellte als Ursache Tod durch Erstickung fest. Zudem litt Henry an einem Herzleiden, weshalb keiner den angeblichen Unfall weiter verfolgte. Doch dieser Vorfall war nicht der Einzige. Bereits im Jahre 1954 verschwand auf mysteriöse Weise die Barbesitzerin Mary Horden. Ihr gehörte die Gaststätte Pin Grove. Außer einer Blutspur bis zum Parkplatz vor der Kneipe fehlte von ihr jede Spur. Erst gute drei Jahre später wurde ihr Mord aufgeklärt, nachdem ein anderes Opfer des Plainfield Ghoul, wie Gein in den Medien auch betitelt wurde, gefunden wurde. Bei diesem Opfer handelte es sich um die Ladenbesitzerin Bernice Worden. Am 16. November 1957 verschwand sie aus ihrem Laden. Die Blutlache in ihrem Laden zusammen mit einer Patronenhülse ließen dabei nichts Gutes erahnen.

 

Der entscheidende Hinweis – Seine Taten kommen ans Licht

Einen Tag, nachdem die Ladenbesitzerin verschwunden war, bekam die Polizei einen entscheidenden Hinweis. Der Sheriff von Plainfield, Arthur Schley, machte sich daraufhin mit einem Durchsuchungsbefehl zum Gein-Anwesen. Edward war allerdings nicht anwesend. Daher durchsuchte Schley zusammen mit einem Officer am 17. November 1957 zuallererst die Scheune. Dort angekommen, fanden die Beamten neben einer heillosen Unordnung auch eine Leiche. Wie ein Tier wurde das Opfer mit den Beinen nach oben in der Scheune des Anwesens aufgehängt. Der Oberkörper war eröffnet, Organe entnommen. Der Kopf der Leiche war abgetrennt. Das gesamte Szenario erinnerte an die Schlachtung von gejagtem Wild. Wie sich bald herausstellte, handelte es sich bei der gefundenen Frauenleiche um die sterblichen Überreste der Ladenbesitzerin Bernice Worden. Dies war allerdings erst der Anfang. Denn bei der weiteren Durchsuchung wurde das gesamte Ausmaß der Taten aufgedeckt.

 

Seine Opfer – nicht alle waren lebendig

Nach der Durchsuchung konnten viele Leichenteile keinen vermissten Personen zugeordnet werden. Mindestens 10 Opfer, die in Geins Farm gefunden wurden, konnten bis heute nicht identifiziert werden. Lediglich der Mord an Bernice Worden und Mary Hogan waren zweifelsfrei dem Mad Butcher zuzuordnen. Auch die Exhumierung diverser Gräber brachte keine Klarheit darüber, welche Leichen er letztlich geschändet hat. Anhand der Überreste konnte lediglich die ungefähre Anzahl der ausgegrabenen Leichen ermittelt werden. Laut eigener Aussage von Ed hatte er ab 1947 mindestens 40 Mal Leichenteile von Friedhöfen der Gegend gestohlen. Davon waren es ungefähr 9 Särge mit meist jungen Frauen, die er aufgebrochen hatte. Meist entnahm er nur Teile, die er für seine Zwecke brauchte. Gein beteuerte im Verhör immer wieder, dass er keine sexuellen Handlungen an den sterblichen Überresten vorgenommen hatte. Der faulige Geruch hielt ihn laut seiner eigenen Aussage davon ab. Zudem wäre er bei diesen Taten nicht er selbst gewesen. Auch der von den Medien gepushte Kanibalismus ist nach den Ermittlungen fraglich.

 

Die Funde im Horrorhaus – Gegenstände aus menschlichen Überresten

Nach dem Fund der Leiche wurde schließlich der Rest des Hauses durchsucht. Sheriff Schley und seinen Kollegen bot sich dort ein Bild des Grauens. Neben dem Kopf von Worden und ihrem Herz in einer Tüte fanden sich an der Wand weitere Trophäen von Ed Gein. Wie Tierpräparate waren neun weitere Frauenköpfe an der Wand angebracht. Ebenso fanden die Beamten aus Menschenhaut hergestellte Lampenschirme, Kissenbezüge und einen Mülleimer. Weitere Stücke waren ein Gürtel aus menschlichen Nippeln, Schüsseln aus Schädelknochen für Hunde und Katzen, getrocknete Gebärmutterteile in einem Schuhkarton, Lippen an einer Gardinenkordel, Besteck aus menschlichen Knochen und viele weitere bizarre Teile. Nach dem Fund wurde Gein im Rahmen der Großfahndung unweit von Plainfield aufgegriffen. Anfangs beteuerte er seine Unschuld. Doch nach dem grausigen Fund in seinem Haus wurden weitere Details und Taten von ihm bekannt.

 

Verurteilt und geisteskrank – Geständnis eines Serienmörders

Letztlich gestand Gein die beiden Morde an den Frauen. Verurteilt wurde Gein allerdings nur für den Mord an Bernice Wordan. Bei der Vernehmung gab er an, sich an die Tat selbst nicht genau erinnern zu können. Wie in Trance habe er gehandelt und die Leiche vom Laden auf die Pritsche seines Trucks geworfen. Zu dem Kopfschuss, der letztlich die Todesursache war, äußerte er sich nicht. Gleiche Aussage machte er zum Mord an Mary Hogan. Die Vernehmung von Ed Gein dauerte mehrere Tage. Auf die vernehmenden Beamten wirkte er so, als ob er sich der Reichweite seiner Taten nicht bewusst wäre. Ohne eine Regung von Emotionen schilderte er die Details zu den beiden Fällen. Auch die Grabschändung gab er ohne jegliche Reue zu. Sein gesamtes Verhalten veranlasste schließlich seinen Pflichtverteidiger dazu, auf Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren. Mehrere Gutachten attestierten ihm eine ausgeprägte Schizophrenie sowie ein sexuell gestörtes Empfinden. Weiter belegten Psychologen, dass die Morde sowie die anderen Taten die Lücke zu seiner Mutter schließen sollten. Die Hautkleidung, die er trug, sollte ihn seiner Mutter auch nach dem Tod wieder näher bringen. In seinem ersten Verfahren wurde Gein des Mordes schuldig gesprochen, im nächsten allerdings auf Grund der Gutachten in das Central State Hospital eingewiesen. Im Alter von 77 Jahren starb The Mad Butcher schließlich im Mendota Mental Health Institute.

 

Ungeklärte Fälle – Bis heute fehlt jede Spur

Mit Ed Gein wurden nicht nur die Morde an Bernice Wordan und Mary Hogan in Verbindung gebracht. Doch im Gegensatz zu diesen Straftaten, die ihm eindeutig nachgewiesen werden konnten, gibt es zu den anderen Fällen lediglich Indizien. In Wisconsin gab es zwischen 1940 und bis in die 1950er hinein eine Vielzahl von Vermisstenfällen. Neben dem Verschwinden von Georgina Weckler konnte auch der Mord an Evelyn Hartley niemals aufgeklärt werden. Weitere Fälle ließen zwar die Beteiligung von Ed Gein vermuten, eine eindeutige Klärung war allerdings auf Grund der Mangel an Beweisen nie möglich. Auch konnten, wie bereits berichtet, nicht alle Leichenteile eindeutig den Gräbern zugeordnet werden. Die auf der Gein-Farm gefundenen Schrumpfköpfe geben weiterhin Rätsel auf. Versuche, weitere Vermisstenfälle mit Gein in Verbindung zu bringen, scheiterten. Auf Grund des Medieninteresses und dem Hype, der von den Medien ausgelöst wurde, zählt der Plainfield Ghoul heute zu den bekanntesten Serienmördern.

 

Vorlage für mehrere Horrorfilme

Der Fall Ed “The Mad Butcher” Gein ist Vorlage für bekannte Filme. So zeigt der Film Psycho von Hitchcock die Beziehung zu seiner Mutter. Im Horrorschocker Texas Chainsaw Massacre (Blutgericht in Texas) spiegelt der Charakter Leatherface die Vorliebe zu Masken aus menschlicher Haut wider. In Schweigen der Lämmer wird ebenfalls auf die Verwertung menschlicher Haut angeknüpft. Buffaloe Bill häutet seine Opfer und näht daraus einen Anzug, um sich als Frau zu fühlen. Gleiches tat Ed Gein mit der Haut von Leichen. Weitere Filme mit Bezug zum Mad Butcher sind das Haus der 1000 Leichen und die Fortsetzung The Devil´s Reject. In der bekannten Horrorserie American Horror Story erinnert die Rolle des Bloody Face an ihn. Ed Gein diente jedoch nicht nur als Vorlage für diverse Streifen. Auch ihm selbst wurden Filme, Dokumentationen und auch Poadcasts gewidmet. Denn auch wenn Gein im Vergleich zu anderen Serienmördern nur wenige Morde seitens der Justiz zugeschrieben wurde, sind die Taten wegen ihrer Brutalität und Groteskheit eine Faszination für sich.

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