Fritz Haarmann – der Schlächter von Hannover

| 11. Januar 2021 |
Friedrich Heinrich Karl Haarmann – kurz Fritz Haarmann genannt – war ein deutscher pädophiler Serienmörder und Kannibale und ist verantwortlich für über zwei Dutzend Morde an jungen Männern. In der Presse erlangte er auch Bekanntheit unter dem Namen „Der Vampir von Hannover“. Haarmanns Opfer waren für gewöhnlich junge männliche Pendler und Ausreißer, gelegentlich tötete er jedoch auch männliche Prostituierte. Alle seine Opfer fand der am Hauptbahnhof von Hannover. Er lockte sie mit dem Versprechen, sie mit Essen oder Getränke zu versorgen, in seine Wohnung. Im Anschluss tötete er die Männer, indem er ihnen die Kehlen durchbiss. Diese Praktik bezeichnete Fritz Haarmann als „Liebesbiss“. Einige der Opfer wurden dazu gezwungen, ihr eigenes Blut zu trinken und sexuelle Handlungen mit Haarmann auszutauschen. Nach ihrer Tötung wurden die Leichen zerstückelt. Die Körperteile warf Fritz Haarmann in die Leine, ihre Besitztümer verkaufte er entweder auf dem Schwarzmarkt oder bewahrte diese gemeinsam mit seinem Komplizen Hans Grans auf.

 

Herkunft und Persönliches

Fritz Haarmann wurde am 25. Oktober 1879 in Hannover zur Zeit des Deutschen Reiches geboren. Er war das sechste Kind der mittellosen Eheleute Ollie und Johanna Haarmann. Seine gesundheitlich angeschlagene Mutter ermutigte ihn schon früh dazu, mit den Puppen seiner Schwestern zu spielen anstatt sich mit anderen Jungen zu umgeben und deren Aktivitäten nachzugehen. So schien sich langsam eine weibliche Persönlichkeit Haarmanns zu offenbaren. Bereits in jungen Jahren zeigte sich Haarmanns Neigung zum Sadismus. Er fesselte seine Schwestern und klopfte nachts gegen die Fenster des Hauses, um anschließend von mysteriösen, übernatürlichen Kreaturen zu berichten, welche die Familie angeblich terrorisierten. Gegen seinen Vater hegte er eine große Abneigung. Er unterstellte ihm, einen Lokführer ermordet zu haben und versuchte, ihn dafür ins Gefängnis zu bringen.

Haarmann war ein unterdurchschnittlicher Schüler mit schlechten Noten, daher entschieden seine Eltern sich dafür, ihn auf die Militärakademie nach Neu Breisach zu schicken. Diese musste er nach einer Reihe von Anfällen jedoch aus medizinischen Gründen wieder verlassen. Nachdem er nach Hannover zurückgekehrt war, begann er in einer örtlichen Zigarrenfabrik zu arbeiten.

 

Der Beginn von Haarmanns krimineller Laufbahn

Im Jahr 1898 wurde Fritz Haarmann zum ersten Mal verhaftet, da er versucht hatte, mehrere Kinder zu missbrauchen. Er wurde jedoch als psychisch nicht in der Lage dazu eingestuft, vor einem Gericht zu stehen. Aus diesem Grund verurteilte man ihn zu einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt. Sechs Monate nach seiner Einweisung gelang es Fritz Haarmann in die Schweiz zu fliehen. Dort hielt er sich auf, bis er 20 Jahre alt war und kehrte dann wieder nach Deutschland zurück.

Im Jahr 1900 lernte Haarmann Erna Loewert kennen. Die beiden heirateten und bekamen gemeinsam ein Kind. Die Ehe sollte jedoch daran scheitern, dass Haarmann sich für das Militär entschied. Im Oktober 1901 erlitt der Soldat Fritz Haarmann einen Zusammenbruch während einer Übung. Der Militärarzt diagnostizierte einen nicht näher beschriebenen geistigen Mangel, welcher dafür sorgte, dass Fritz Haarmann aus dem Militär entlassen wurde. Ihm blieb nichts anderes übrig, als wieder bei seiner Familie zu leben. Sein Vater unternahm mindestens einen Versuch, um seinen Sohn erneut in einer Anstalt unterzubringen. Die örtlichen Ärzte schätzen Fritz Haarmann aber lediglich als „moralisch minderwertig“ ein. Nachdem er erfolglos versucht hatte, ein eigenes Unternehmen zu gründen, welches bereits nach kurzer Zeit bankrottging, begann er damit, mit kleinen Einbrüchen und Betrugsfällen leichtes Geld zu verdienen. Er war jedoch nicht sehr erfolgreich und verbrachte etwa ein Drittel der folgenden zwei Jahrzehnte immer wieder im Gefängnis. Durch seine zahlreichen Inhaftierungen wurde die Polizei von Hannover auf Fritz Haarmann aufmerksam. Nach seiner letzten Freilassung im Jahr 1918 wurde er zu einem ihrer Informanten mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit der Behörden von ihm abzulenken. Gleichzeitig begann der Erste Weltkrieg und damit die nationale Armut, welche auch Haarmann hart traf. Zu dieser Zeit verübte Haarmann die ersten Sexualstraftaten. Da sich seine Opfer jedoch zu sehr schämten, ihren Peiniger anzuzeigen, blieben diese Verbrechen von der Polizei unbemerkt.

 

Der erste Mord und das Zusammentreffen Haarmanns mit Hans Grans

Am 25. September 1918 schnappte sich Fritz Haarmann willkürlich den 17-jährigen Jugendlichen Friedel Rothe und ermordete ihn. Aufgrund von Augenzeugenberichten von Rothes Freunden sowie auf wiederholten Bitten dessen Familie durchsuchte die Polizei Haarmanns Wohnung. Dort fanden sie Haarmann mit einem Teenager im Bett, mit dem er bereits seit neun Monaten eine sexuelle Beziehung unterhielt. Haarmann wurde anschließend wegen sexueller Übergriffe verhaftet. Aus nicht bekannten Gründen wurde jedoch nie sein Haus überprüft, daher konnte der Mord an Friedel Rothe nicht nachgewiesen werden.

Nachdem er aus seiner Haft entlassen wurde, begegnete Fritz Haarmann am Hauptbahnhof in Hannover seinem zukünftigen Komplizen Hans Grans, welcher ihm anbot, sich gegen Geld zu prostituieren. Aus einer anfänglichen Freundschaft entwickelte sich eine homosexuelle Beziehung und das Paar entschied sich Anfang 1922 dazu, gemeinsam in eine Wohnung in der Cellerstraße 27 zu ziehen, welche sich im so genannten „Spukviertel“ in Hannover befand. Fritz Haarmann setzte die Morde an jungen Männern fort, indem er diese unter dem Vorwand, Polizist zu sein, in seine eigenen vier Wände lockte.

 

Altkleiderhändler und Gelegenheits-Metzger

Am 12. Februar 1923 kam Grans unerwartet früher nach Hause und erwischte seinen Mitbewohner dabei, wie dieser den 17-jährigen Fritz Franke ermordete. Hans Grans, welcher seine frühen Jahre bereits als kleiner Dieb verbracht hatte, nachdem er von zu Hause weggelaufen war und seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf alter Kleidung verdiente, billigte die grausame Tat seines Lebenspartners und wurde auf diese Weise sein Komplize. Es ist bekannt, dass er sogar zwei von Haarmanns Opfern selbst auswählte. Eines dieser Opfer war der 17-jährige Adolf Hannappel, den Fritz Haarmann am 11. November 1923 ermordete. In den folgenden neun Monaten verloren mindestens zwölf Männer durch Haarmann ihr Leben. Ihre zerstückelten Überreste wurden in einem Fluss entsorgt, während ihre Wertsachen von Haarmann und Grans verkauft wurden, um sich auf diese Weise den Lebensunterhalt zu verdienen. Zwar wurde dies nie offiziell bestätigt, jedoch besteht die Möglichkeit, dass Haarmann das Fleisch sowie die Innereien der Opfer nach deren Ermordung und Ausweihdung verkaufte und teilweise auch selbst verzehrte.

Die Morde blieben so lange unbemerkt, bis im Mai 1924 über 500 menschliche Knochen von Haarmanns Opfern flussabwärts angespült und gefunden wurden. Diese wurden zunächst für Tierknochen gehalten, weitere Untersuchen brachten jedoch die schreckliche Tatsache hervor, dass es sich um Menschenknochen handelte.

Das letzte bekannte Opfer Fritz Haarmanns war der 17-jährige Erich de Vries. Zum Zeitpunkt seiner Ermordung hatte die Polizei bereits mit einer intensiven Fahndung nach dem Serienmörder begonnen. Da Haarmann schon durch seine Missbrauchsverbrechen von 1898 sowie durch seine Verstrickung in das Verschwinden von Friedel Rothe im Jahr 1918 bei den Behörden bekannt war, fiel der Verdacht schnell auf ihn. Nachdem er zunächst nur beobachtet wurde, nahm die Polizei ihn jedoch am 22. Juni 1924 Polizei fest, als Haarmann versucht hatte, sein neues potenzielles Opfer Karl Fromm am Hauptbahnhof von Hannover in seine Wohnung zu locken. Fromm hatte zuvor bereits mehrere Tage in Haarmanns Wohnung verbracht und wurde dort von ihm sexuell angegriffen. Nach seiner Festnahme gestand Fritz Haarmann seine Absicht, Fromm zu töten. Die Polizei durchsuchte anschließend Haarmanns Wohnung und fand zahlreiche Blutflecken auf den Wänden. Zwar versicherte Haarmann, dass es sich bei den Flecken lediglich um das Ergebnis eines illegalen Fleischhandels handelte, welchen er von dort aus betrieb, jedoch fanden die Beamten später Kleidung und diverse Habseligkeiten seiner Opfer. Daraufhin wurde Haarmann wegen des Verdachts der Morde in Hannover verhaftet. Bereits nach kurzer Zeit gestand er, der Täter zu sein und behauptete, dass die Anzahl der Leben, welche er im Laufe der Zeit nahm, „irgendwo zwischen 50 und 70“ lag. Anhand der gefundenen Knochen konnte die Polizei bis dahin eine Opferzahl von 24 bis 27 nachweisen. Haarmann half den Beamten, noch unentdeckte Teile seiner Opfer in den Mülldeponien am Fluss zu bergen. Insgesamt erwies er sich als überaus kooperativ bei den Ermittlungen. Wurde er jedoch mit den Familien seiner Opfer oder mit der Aussicht auf seine bevorstehende Todesstrafe konfrontiert, so blockte er vehement ab.

 

Urteilssprüche Hans Grans und Fritz Haarmann

Aufgrund von Augenzeugenberichten sowie der Aussage Haarmanns, dass Grans Hannappel als Opfer ausgesucht hatte, wurde dieser am 8. Juli 1924 zum Tode verurteilt. Aufgrund eines Briefs von Fritz Haarmann, in welchem er die Unschuld seines Komplizen erklärte, wurde das Urteil auf zwölf Jahre Haft reduziert. Nach seiner Freilassung lebte Hans Grans bis zu seinem Tod im Jahre 1975 in Hannover.

Der Prozess von Fritz Haarmann hingegen begann am 4. Dezember 1924. Da zu dieser Zeit der Begriff „Serienmörder“ noch nicht geprägt worden war, wurde Haarmann von den Medien als „Werwolf“ oder „Vampir“ bezeichnet. Bis zuletzt hoffte Haarmann trotz seines zuvor geschriebenenen Briefs, seinen Komplizen Grans mit zu seiner Hinrichtung nehmen zu können und beschuldigte ihn daher ebenfalls einiger Morde. Während des zweiwöchigen Prozesses stellte die Tatsache, dass es sich bei dem Täter um einen Informanten der Polizei handelte, einen besonderen Schock für die Öffentlichkeit dar. Nachdem insgesamt 200 Zeugen verhört wurden, wurde Fritz Haarmann zum Tod durch die Guillotine verurteilt. Am 15. April 1925 wurde das Urteil vollstreckt. Seine letzten Worte vor seinem Tod waren: „Ich bereue meine Taten, aber ich fürchte den Tod nicht.“

Die Überreste von Fritz Haarmanns Opfern wurden einige Monate vor seiner Hinrichtung in einem Grab auf dem Friedhof Stöckener beigesetzt. Im April 1928 wurde ein großes Denkmal im Triptychon-Stil aus Granit mit den Namen und dem Alter der ermordeten Männer errichtet. Um die Struktur seines Gehirns zu untersuchen, wurde Haarmanns Kopf von Wissenschaftlern in einem Glas konserviert. Das Gehirn wurde an der Medizinischen Fakultät Göttingen aufbewahrt, bis es im Jahr 2014 eingeäschert wurde.

 

Bekannte Zitate

„Ich hatte nie vor, diese Jugendlichen zu verletzen, aber ich wusste, dass, wenn ich loslegen würde, etwas passieren würde und dass mich dieses zum Weinen bringen würde … Ich würde mich auf diese Jungen werfen und durch den Adamsapfel beißen und sie gleichzeitig erdrosseln.“

 

„Nachdem ich getötet hatte, bat ich oft darum, in eine Militäranstalt gebracht zu werden, aber nicht in ein Irrenhaus. Wenn Grans mich wirklich geliebt hätte, hätte er mich retten können. Glauben Sie mir, ich bin nicht krank – es ist nur so, dass ich gelegentlich komische Wendungen habe. Ich möchte enthauptet werden. Es wird nur einen Moment dauern, dann werde ich in Frieden sein.“

 

„Ich machte zwei Schnitte in den Bauch und steckte den Darm in einen Eimer, dann saugte ich das Blut auf und zerdrückte die Knochen, bis die Schultern brachen. Jetzt konnte ich das Herz, die Lungen und die Nieren bekommen und sie zerhacken. Ich nahm das Fleisch von den Knochen und steckte es in meinen Wachsbeutel. Ich brauchte für gewöhnlich fünf oder sechs Fahrten, um alles zu nehmen und in den Fluss zu werfen. Ich hasste es immer, das zu tun, aber ich konnte nicht anders – meine Leidenschaft war so viel stärker als der Schrecken des Schneidens und Hackens. „

Quellen

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