Gary Ridgway: Die schockierende Geschichte des Green River Killers

| 31. Dezember 2020 |

Gary Leon Ridgway, Alias “The Green River Killer”, bekannte sich des Mordes in 49 Fällen für schuldig. Ursprünglich war der Serienkiller von der Staatsanwaltschaft lediglich in sieben Fällen des Mordes angeklagt worden. Nur in diesen Mordfällen lagen ausreichende und gerichtsverwertbare Beweise vor. Es war ein Handel mit Ridgway, der dazu führte, dass dieser weitere Morde gestand. Als Gegenleistung wurde er nicht zum Tode verurteilt, worauf sich der zahlenmäßig produktivste Killer der Vereinigten Staaten einließ. Die Vereinbarung sah vor, dass er sich schuldig bekannte, weitere 41 Morde begangen zu haben. Dabei handelte es sich um Fälle, bei denen die Ermittlungsbeamten vermuteten, Ridgway sei der Mörder. Er gestand diese Taten und einen weiteren Mord an einer bis heute unbekannten Frau. Unklar und ungewiss ist, ob es weitere Opfer gibt, die auf das Konto von Ridgway gehen.

 

Der junge Ridgway

Gary Leon Ridgway wurde 1949 in Salt Lake City, Utah, geboren. Nach Angaben von Verwandten stammte er aus einem unruhigen Zuhause, in dem seine Eltern häufig heftige Auseinandersetzungen hatten. Seine Mutter soll anmaßend gewesen sein. Sein Vater, ein Busfahrer, beschwerte sich häufig und lautstark über Prostituierte in der Stadt.

Ridgway machte sein Bett bis zum Alter von 13 Jahren nass. Seine Mutter wusch angeblich seine Genitalien nach jedem Bettnässen, was in ihm Gefühle des Hasses und des sexuellen Verlangens nach seiner Mutter auslöste. Er behauptete später, er habe oft davon geträumt, sie zu töten. Wie viele andere Serienmörder war er außerdem dafür bekannt, Feuer zu legen und Tiere zu foltern.

Erste schwere Gewalttat mit 16

Im Alter von 16 Jahren beging er seine erste schwere Gewalttat. Er lockte einen sechs Jahre alten Jungen in den Wald, wo er ihn in die Leber stach. Er sagte später, er habe es getan, weil er wissen wollte, wie es sich anfühlt, jemanden zu töten.

 

Hass auf Prostituierte

Wie sein Vater entwickelte Ridgway einen intensiven Hass auf Prostituierte, obwohl er ihre Dienste häufig in Anspruch nahm. Ridgway, ein fanatischer Christ, der nach Predigten und dem Lesen in der Bibel regelmäßig in Weinkrämpfe ausbrach, sah Sexarbeiter als sündig an. Das hinderte ihn nicht daran, Sex mit ihnen zu haben.
Er gestand, warum er Huren gejagt hatte. Die Motivation sei Hass gegen sie gewesen und er wollte für Sex nicht bezahlen. Außerdem war ihm bekannt gewesen, dass Prostituierte nicht sofort, möglicherweise nie als vermisst gemeldet werden.

 

Wie der Green River Killer mordete

1982 machte ein Mann bei einer Raftingtour im Green River in der Nähe von Seattle eine schockierende Entdeckung. Er fand drei Leichen, die innerhalb von zehn Metern voneinander im Fluss schwammen. Nachdem er die Polizei kontaktiert hatte, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Alle Opfer waren stranguliert worden und die Gerichtsmediziner fanden bei allen Steine in der Vagina. Offenbar der Versuch, die Körper zu beschweren, damit sie auf den Grund sanken. Innerhalb von sechs Monaten wurden im Green River insgesamt sechs Leichen junger Frauen gefunden, die alle als Prostituierte oder Ausreißer bekannt waren. Damit war für die Polizei klar, dass sie einen Serienmörder zu fassen hatten. Aufgrund der Ablageorte im Fluss tauften die Medien den Verbrecher als “The Green River Killer”. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet und eine Sonderkommission gegründet. Etwa ein Jahrzehnt dauerten die Ermittlungen, die schätzungsweise 15 Millionen Dollar gekostet haben und zu keinem Mörder führten.

 

Die 7 finstersten Fakten über Gary Ridgway, den Green River Killer

1. Ridgway verfolgte Prostituierte, die zwischen Seattle und Tacoma in der Nähe des Flughafens arbeiteten. Er gewann ihr Vertrauen mit einem Trick. Er zeigte ihnen ein Bild seines Sohnes, was ihn wie einen harmlosen Familienvater aussehen ließ.

2. Ridgway erklärte bei einer Vernehmung, er habe Prostituierte getötet, weil die Polizei die Huren nicht kontrollieren kann, er aber schon.

3. Nachdem sich Ridgway eine gewisse Routine angeeignet hatte, versenkte er die Leichen seiner Opfer nicht mehr Fluss. Er deponierte sie an einsamen Stellen, um zu ihnen zurückkehren zu können. Bis zu drei Tage nach dem jeweiligen Mord hatte er Sex mit den Leichen. Ridgway sagte aus, er hätte immer dann aufgehört Sex mit den Körpern zu haben, wenn die Fliegen zu lästig wurden. Diese sexuellen Handlungen wurden zum Zwang. Überdies schützte ihn das Vergraben der Leichen davor, vorzeitig gefasst zu werden.

4. Ridgway erklärte in einer anderen Vernehmung, er habe so viele Frauen getötet, dass er die genaue Zahl nicht mehr benennen kann. Insofern ist es mehr als wahrscheinlich, dass Ridgway mehr als nur die gestandenen 49 Morde auf der Seele trägt.

5. Der Fernsehreporter Charlie Harger interviewte Ridway. Anschließend berichtete der Journalist von der unglaublichen Gefühlskälte und Gefühllosigkeit Ridgways. Der Mörder habe ihm gegenüber beschrieben, wie der Kopf eines Opfers von allein vom verwesenden Körper gefallen sein. Er erzählte von diesem grausigen Detail mit der Lässigkeit von jemandem, der davon spricht, mit seinem Hund spazieren zu gehen.

6. Ridgway sagte aus, er habe aus einem einfachen Grund niemanden aus seiner Familie getötet. Er war sich sicher, dass es der Polizei dann leichter gefallen wäre, ihn zu verhaften.

7. Ridgways zweite Frau erzählte der Polizei, dass ihr Mann sie oft zum Sex in die Natur mitnahm. Wie sich später herausstellte an die Orte, wo die Leichen des Green River Killers gefunden wurden. Ridgway selbst sah die Opfer als Müll. Anfangs noch mit Steinen beschwert und in den Fluss geworfen, ließ er später die Frauen irgendwo an einem einsamen Platz liegen. Einige Frauen tötete er in der Natur, andere in seinem Haus, aber viele starben in seinem Truck, nicht weit von dem Ort entfernt, an dem er sie mitgenommen hatte.

Green River Killer – Ermittlung und Festnahme

1982, nach der Entdeckung der ersten Leichen im Green River, leitete die Polizei von Washington eine Untersuchung ein. Diese dauerte neun Jahre, kostete rund 15 Millionen Dollar und brachte keine greifbaren Ergebnisse. Ganz im Gegenteil, die Ermittler versagten auf unvorstellbare Weise.

Ridgway war 1982 wegen Prostitution verhaftet worden und wurde deshalb im nächsten Jahr zu einem Verdächtigen bei den Morden am Green River. 1984 wurde ein Polygraphentest an Ridgway vorgenommen, den er angeblich bestanden hatte. Erst eine spätere Untersuchung ergab jedoch, dass Ridgway aufgrund von Nachlässigkeit der Polizei den Lügendetektortest tatsächlich nicht bestanden hatte. Wäre er bereits damals verhaftet und verurteilt worden, wären mindestens die Hälfte seiner Mordopfer verschont geblieben. 1987 nahm die Polizei Ridgway erneut fest und nahm ihm Haarproben ab, konnte ihn jedoch wieder nicht mit den Serienmorden in Verbindung bringen.

Ein Großteil der neunjährigen Untersuchung war ein Musterbeispiel für Pfuscherei. 1984 gestanden zwei Zellengenossen in San Francisco die Morde, aber es stellte sich als Scherz heraus. Andere Verdächtige kamen und gingen. Fast monatlich präsentierte die Polizei neue Verdächtige, während zeitgleich die Zahl der Opfer weiter kletterte.

 

Ted Bundy und der Green River Killer

Erstaunlich genug, bot der berüchtigte Serienmörder Ted Bundy seine Hilfe bei der Suche nach dem Mörder an. Er sagte den Ermittlern, dass der Mörder wahrscheinlich seine Opfer kenne und dass er wahrscheinlich auch zu den Ablageorten zurückgekehrt sei, um Sex mit den Leichen zu haben. Er vermutete zudem, dass sich die Fundorte der Leichen in bequemer Reichweite zum Haus des Mörders befinden. Aber auch diese Hinweise führten nicht zum Erfolg. In der Folge wurde die Sonderkommission bis 1991 abgebaut. Nur noch ein einziger Ermittler war für den Fall zuständig, der mangels weiterer Opfer kalt geworden war.

 

Die DNA-Technik führt zur Verhaftung von Gary Ridgway

Erst ein Jahrzehnt später kam neues Leben in den Fall. Die Polizei setzte mit Unterstützung der DNA-Technologie die Ermittlungen fort. Unter den gesammelten Beweisen befanden sich Samenproben aus den Körpern der ersten drei im Green River gefundenen Opfer. Diese wurden in ein Labor geschickt. Als Vergleichsmaterial dienten Haarproben, die mehreren Verdächtigen entnommen worden waren. Das Lobar konnte eine Übereinstimmung der Proben aus den Leichen und denen von Gary Ridgway aus dem Jahr 1987 feststellen. Am 30. November 2001 wurde Gary Ridgway verhaftet, als er zum Feierabend seinen Arbeitsplatz in einer LKW-Fabrik in Renton verlassen wollte.

 

Der Prozess gegen den Green River Killer

Ridgway wurde ursprünglich nur wegen sieben Morden angeklagt. Die Staatsanwälte waren nur in diesen Fällen zuversichtlich, eine Verurteilung zu erreichen. In einer äußerst kontroversen Entscheidung erlaubte der Bezirksstaatsanwalt Ridgway, die Todesstrafe zu vermeiden und sich auf lebenslange Haft einzulassen. Voraussetzung war, dass sich Ridgway für die sieben und 41 weitere Morde für schuldig erklärte. Der Staatsanwalt von King County, Norm Maleng, erklärte, dass die Entscheidung mit Rücksicht auf die Familien der anderen 41 Opfer getroffen wurde. Die Familien hätten es verdient, Gewissheit zu haben. Gary Ridgway habe keine Gnade verdient und sollte eigentlich zum Tode verurteilt werden. Aber dafür 41 Familien in Ungewissheit weiterleben zu lassen, sei noch weniger vertretbar.

 

 

Schuldig des Mordes in 49 Fällen

Ridgways Plädoyer beinhaltete einen 49. Mord an einem bis in die Gegenwart nicht identifizierten Opfer. Während des Prozesses bekamen einige Familienangehörige von Opfern die Gelegenheit, sich direkt an Ridway zu wenden. Ein älterer Mann erklärte dem Serienmörder, er habe ihm vergeben, wie Gott es ihm befohlen hatte, obwohl dies nicht einfach war. Zu diesem Zeitpunkt begann der normalerweise steinerne und für Gefühlskälte bekannte Ridgway zu weinen.

 

Das Urteil gegen den Green River Killer

Im Dezember 2003 verurteilte ein Richter Ridgway zu 48 lebenslangen Haftstrafen ohne Bewährungsmöglichkeit und zu einer lebenslangen Grundstrafe. Alle Strafen müssen nacheinander verbüßt werden. Obendrein erhielt Ridgway weitere 480 Jahre Haft, weil er Beweise manipuliert hatte.

 

Ridgways Ehefrau Judith

Gary Ridgway war mit Judith Ridgway verheiratet. Sie beschreibt ihr Leben mit Gary als normal und voller Liebe. Als Gary Ridgway verhaftet wurde, war seine Frau Judith völlig fassungslos. Es war ihr unvorstellbar, dass Gary ein Serienmörder war. Nach eigener Aussage hatte sie nie geglaubt, dass er in der Lage war, so viele Menschen gewaltsam zu ermorden. Inzwischen weigert sie sich, mit ihm zu sprechen, und hat ihn nie im Gefängnis besucht. Bemerkenswert ist, dass Judith Ridgway 1985 geheiratet hatte, nachdem er die meisten seiner Morde bereits begangen hatte. Von Ridgways 49 bekannten Opfern wurden lediglich drei nach Beginn der Beziehung mi Judith verübt. In einem Interview sagte Judith, sie habe das Gefühl, sie habe vielen Frauen das Leben gerettet, nur weil sie seine Frau wurde und er mit ihr wohl glücklich war.

Judith Ridgway nahm bald ihren Mädchennamen Mawson wieder an. Sie beschrieb ihren berüchtigten Ex-Ehemann als einen guten Versorger und einen sensiblen Mann. Sie war so positiv eingestellt, dass sie zunächst nicht glaubte, dass er in der Lage war, jemanden zu ermorden. Sie half schließlich dabei, ein Buch über Ridgway zu schreiben, das sie “denen widmete, deren Zukunft von betrügerischen Liebhabern gestohlen wurde”.

 

Gary Ridgways Leben im Gefängnis

Nach seiner Verurteilung lebte Ridgway in virtueller Isolation im Washington State Penitentiary in Walla Walla. Viele Privilegien, die Gefangene eigentlich wahrnehmen können, wurden ihm verweigert. Aufgrund seiner Bekanntheit und des Risikos, von anderen Insassen ermordet zu werden, sahen die Behörden keinen anderen Ausweg.

Im Mai 2015 wurde er in ein Bundesgefängnis mit maximaler Sicherheit in Florence verlegt, wo er für Insassen weniger erkennbar war. In Colorado war Ridgway weniger isoliert und hatte mehr Bewegungsfreiheit. Der frühere Sheriff von King County, Dave Reichart, der die Green River Task Force leitete, meldete sich zu Wort. Er bezeichnete die Entscheidung, Ridgway zu verlegen – was fast 20.000 US-Dollar für das Privatflugzeug kostete -, als unglaublich und absolut unerträglich. Ridgway sollte den Rest seinen Lebens in Einzelhaft verbringen und nicht unter Bedingungen wie in einem Hotel. Die Öffentlichkeit schloss sich dem Protest an. Aufgrund des öffentlichen Aufschreis über Ridgways neues Privileg und die leichteren Haftbedingungen wurde er im Oktober 2016 zurück nach Walla Walla verlegt.

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