Jack the Ripper, der Vater aller Serienmörder – endlich enttarnt?

| 11. Januar 2021 |

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war das das Londoner East End ein Slum. Auf dichten Raum drängten sich die Verlierer der englischen Gesellschaft des viktorianischen Zeitalters. Die ärmsten der Armen konkurrierten mit Einwanderern, um die Lebensgrundlage. Nach zeitgenössischen Berichten gab es in diesem Bezirk mehr als 60 Bordelle. Gewalt gegen Frauen, die sich auch zur Gelegenheitsprostitution gezwungen sahen, war an der Tagesordnung. Trotzdem gelang es einer Reihe von ausgesprochen brutalen Morden auch durch ihre Behandlung in den Zeitungen, das allgemeine Interesse zu wecken. Noch immer ist der Mörder, der unter dem Pseudonym Jack the Ripper bekannt wurde, Anlass zu zahlreichen Spekulationen.

 

Die Morde

Von den zahlreichen Frauenmorden in dieser Zeit kommen elf dafür in Frage, Jack the Ripper zum Täter zu haben. Fünf schreibt man diesem Täter sicher zu. Diese Morde fanden zwischen August und November 1888 statt.
Der Mörder schlachtete seine Opfer regelrecht, indem er ihnen die Kehle durchschnitt und sie ausweidete. Das erste Opfer der sogenannten kanonischen fünf Morde war Mary Ann Nichols. Ihr Unterleib war geöffnet und ihre Därme frei gelegt. Trotzdem war dies noch nicht ganz offensichtlich, denn die Männer, die sie auf offener Straße fanden, waren sich in der Düsternis zunächst gar nicht sicher, ob sie tot oder betrunken war, und richteten ihre Röcke. Die mehrfache Mutter war einem Zerwürfnis mit dem Vater der Kinder mittellos. Verwandte beschrieben sie als so gutherzig beschrieben, dass sie sicherlich keine Feinde gehabt habe. Anne Chapman, das nächste Opfer, wurde noch grauenhafter entstellt. In der Abgeschiedenheit eines Hinterhofs legte Jack the Ripper ihr die Därme über die Schulter und nahm die Gebärmutter mit. In der Nacht zum 30. September schlug er gleich zweimal zu. Bei Elisabeth Stride kam er nur dazu die Kehle in der üblichen Weise zu durchtrennen, der Körper blieb ungeöffnet, wahrscheinlich weil der Mörder gestört wurde. Doch in der gleichen Nacht kam es zum Mord an Catherine Eddowes. Er nahm Teile der halbe Gebärmutter und eine Niere mit. Die steigende Wut drückt sich jetzt auch in der Verstümmelung des Gesichts aus. Später wurde die Schürze des Opfers zusammen mit einem Graffiti gefunden. Seinen Höhepunkt erreicht der Exzess mit der Verstümmelung von Mary Jane Kellys Leiche. Er entnimmt alle Organe, verteilt sie in ihrem Zimmer, nimmt das Herz mit und zerschneidet ihr Gesicht. Danach bricht die Mordserie aus mysteriösen Gründen ab. Weitere Frauenmorde ereignen sich zwar, passen aber nicht ganz ins Schema der Vorgehensweise. Ein weiterer Mord im Dezember geht zwar sehr ähnlich vor, allerdings handelt es sich beim Opfer um keine Frau, sondern um den siebenjährigen John Gill.

 

Die Briefe

Den Namen erhält Jack the Ripper durch Briefe, die bei Zeitungen eingehen, von denen insbesondere drei als authentische betrachtet werden, obwohl mehrere hundert Bekennerbriefe existierten. Der sogenannten Dear-Boss-Brief verwendet den Namen Jack the Ripper zum ersten Mal. Dort kündigt er er an einer Frau das Ohr abzuschneiden, was er dann auch tatsächlich umsetzte. Die Polizei veröffentlichte ein Bild dieses Briefes in der Hoffnung, jemand könne die Handschrift erkennen. Es folgen weitere Schreiben wie die Saucy-Jack-Postkarte. Diese Nachrichten des gefährlichen Monsters lassen die Auflagen der Boulevardzeitungen in die Höhe schnellen. Schnell geraten Journalisten in den Verdacht, den Brief und die Postkarte selbst verfasst zu haben, um die Sensationsgier anzufeuern. Einer von ihnen soll dies sogar gestanden haben, ohne dass allerdings sein Name bekannt geworden ist.
Am gruseligsten ist der From-Hell-Brief, der eine Schachtel begleitet, die eine halbe Niere enthielt. Der Schreiber behauptete, den anderen Teil gegessen zu haben. Ob es sich um die Niere Eddowes handelte, konnte die Polizei nicht endgültig klären, auch wenn sie es vermutete. Das große Medieninteresse könnte zur Eskalation der Taten beigetragen haben, und macht Jack the Ripper heute noch zum Vorbild für Serienmörder.

 

Das Täterprofil

Um Jack the Ripper zu finden gehen die ersten Profiler ans Werk. Dieser legte sich auf einen Mann zwischen 30 und 40 fest. Die Polizei vermutet auch ein physisches Defizit des Mörders. Der gesuchte Täter soll über medizinische Grundkenntnisse verfügen, da er die Organe halbwegs professionell entnahm. Natürlich trifft dies auch auf einen Metzger oder Schlachter zu.

 

Die Verdächtigen

Es kam zu mehr als 80 Verhaftungen von Verdächtigen, jedoch zu keinem Prozess. Die Untersuchungsbehörden verdächtigten zunächst Männer, deren Lebensmittelpunkt nahe am Tatort war, die Fleischer oder Schlachter waren oder in einem persönlichen Verhältnis zu einem der Opfer standen, wie Joe Barnett, der mit Kelly zusammengewohnt hatte. Auch die später zu Frauenmörder wurden gerieten ins Visier, wie William Henry Bury, der seine Ehefrau ein Jahr später auf ähnliche Weise umbrachte oder der Giftmörder Severin Antonowich Klosowski. Auch Randgruppen wie Einwanderer oder der sogenannte Elefantenmensch zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Auch der homosexuelle Montague John Druitt geriet in Verdacht und ertränkte sich selbst. Neben mehr oder minder offensichtlichen Verschwörungstheorien, die sich um Prominente wie Lewis Carroll, dem Autor von Alice im Wunderland, oder Oscar Wilde ranken, gab es auch damals schon verblüffende Verdächtige.

 

War Jack eine Frau?

An einem Tatort wurden drei Knöpfe eines Damenstiefels in einer Blutpfütze gefunden. Eine Hebamme hätte die notwendigen anatomischen Kenntnisse zur Entfernung der Leichen besessen. Dabei rücken gleich verschiedene Frauen in den Fokus. Mary Pearcy ermordete später die Frau ihres Liebhabers auf ähnliche Weise und erhält dafür die Todesstrafe. Da das letzte Opfer schwanger war, kam ein Verdacht auf, die Schwangerschaft könnte das Motiv einer unfruchtbaren Frau gewesen sein.Mary Elizabeth Ann Williams kommt als Verdächtige in Frage, weil ihr Mann der Vater des ungeborenen Kindes des letzten Opfers gewesen sein soll.

 

War ein zukünftiger englischer König der Täter?

Prinz Albert Viktor war für seinen ausschweifenden Lebenswandel und seine Bordellbesuche bekannt. Seine Festnahme in Männerbordell berichteten allerdings nur ausländische Zeitungen.
Eine Zeugin will ihn sogar erkannt haben, da der Prinz durch seinen ungewöhnlich langen Hals besonders auffällig war. Hör- und Intelligenzprobleme sollen den Prinzen begleitet haben, was ihn ins Schema der Profiler fallen lässt.
Es gibt auch Gerüchte, dass der frühe Tod des Prinzen, darauf zurückzuführen ist, dass der königliche Leibarzt ihn mit einer Spritze töte, um weitere Morde und einen Skandal von der königlichen Familie abzuwenden. Prinz Albert soll sich allerdings nicht an allen Daten in London aufgehalten haben, einmal soll er sogar mit Königin Viktoria in Schottland gegessen haben.
Der königliche Leibarzt Gull spielt auch in einer anderen Theorie eine tragende Rolle. Die sogenannte königliche Verschwörung soll die Morde verübt haben, um ein uneheliches Kind des Prinzen zu vertuschen, dessen Kindermädchen Mary Kelly gewesen sein könnte. Die Mutter des Kindes soll Gull entführt haben und durch Experimente ihr Gedächtnis gelöscht haben, während das Kind selbst überlebt hätte. Beim Mord an Eddowes soll es sich nur um eine Verwechslung mit Kelly gehandelt haben. Sogar die Königin selbst sei in die Morde eingeweiht gewesen. Sickert, der die Kindsmutter dem Prinzen vorgestellt habe, heiratete später angeblich das Mädchen, das aus dieser Verbindung entstanden war und hinterließ Hinweise in seinen Bildern. Die sogenannte königliche Verschwörung wählte Druitt wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Prinzen als Sündenbock. Selbst ein ehemaliger angeblicher Geliebter des Prinzen James Stephen, der aufgrund dieses Kindes in Eifersucht gerät, wird als Jack the Ripper erwogen. Seine Handschrift ähnelt der der beiden ersten Nachrichten an die Presse. Inspektor Abberline führen viele als Gewährsmann für die unterschiedlichsten Verdächtigen an. Er soll unter anderem gesagt haben. Der Fall sei abgeschlossen worden, weil er bis in die höchsten Kreise Englands geführt habe. Das befeuert selbst die unwahrscheinlichste Theorie.

 

Lüftet DNA das Geheimnis?

Es gab schon früh einen Hinweis auf eben den Täter, den eine DNA-Analyse aufgedeckt haben will. Allerdings wurde dieser Hinweis durch die Polizei selbst vernichtet, noch bevor er fotografiert und so für die Akten dokumentiert werden konnte. Der Mörder selbst könnte hier nicht nur einen Hinweis auf sich, sondern auch auf sein Motiv gegeben haben, dass in der Diskriminierung wegen seiner Herkunft gelegen haben könnte. „The Juwes are the men that will not be blamed for nothing“, soll das Grafiti nach der Niederschrift der Polizei gelautet haben, das neben Eddowes Schürze war. Da die Situation bereits wegen eines anderen Mordes gespannt war, ließ man es sofort entfernen, um Ausschreitungen zuvor zu kommen. Der verantwortliche Polizist musste deshalb später den Dienst quittieren. Wenn die DNA-Analyse verlässlich ist, deutet sie auf Aaron Kosminski hin. Die DNA eines seiner Nachfahren zeigt große Ähnlichkeit mit der DNA auf dem Schal eines der Opfer.
In den Aufzeichnungen der Polizei stand über ihn: „Er hatte einen großen Hass auf Frauen, besonders auf Prostituierte“, was ihn schon damals zu einem Hauptverdächtigen machte. Er litt an Schizophrenie und bedrohte auch seine eigene Schwester mit einem Messer. Allerdings wurde er erst zwei Jahre nach dem letzten Mord in eine Anstalt eingewiesen und keine der Täterbeschreibungen passt auf ihn. All dies spricht gegen seine Täterschaft.
In wie weit es allerdings möglich ist, eine korrekte DNA-Analyse nach mehr als 100 Jahren durch zu führen, sei allerdings dahingestellt. Ebenso unklar ist, ob es nicht möglich ist, dass die DNA des Verdächtigen, während der Vernehmung an das Beweisstück gekommen ist, denn die Notwendigkeit, dies zu vermeiden, war damals natürlich noch unbekannt. Die Wahrheit zu finden, wird schwierig, weil tatsächlich große Teile der Akten verschollen sind.

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