Der Fall des Kinderschänders und Vierfach-Mörders Marc Dutroux

| 11. Januar 2021 |
Marc Dutroux ist ein belgischer Serienmörder und Kinderschänder. Er entführte in den Jahren 1995 und 1996 sechs Mädchen im Alter von acht bis 19 Jahren, folterte diese und missbrauchte sie sexuell. Vier von ihnen wurden anschließend ermordet. Zudem gilt Dutroux als Mörder seines ehemaligen mutmaßlichen Komplizen Bernard Weinstein. Dutroux wurde 1996 verhaftet und befindet sich seitdem im Gefängnis. Der Prozess wurde im Jahr 2004 erneut aufgenommen, da zahlreiche Ermittlungsfehler in Belgien zu einer allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Strafjustizsystem führte. Der daraus resultierende Skandal war einer der Gründe für die Umstrukturierung der belgischen Strafverfolgungsbehörden.

 

Herkunft und Persönliches

Marc Dutroux wurde am 6. November 1956 im Brüssel als ältestes von fünf Kindern geboren. Seine Eltern waren beide Lehrer und wanderten in den belgischen Kongo aus. Im Jahr 1960 kehrten sie jedoch nach Belgien zurück. Nach der Scheidung im Jahr 1971 blieb Dutroux bei seiner Mutter. Im Alter von 16 Jahren verließ er diese jedoch und begann damit, seinen Körper an Männer zu prostituieren und sich auf diese Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als Marc Dutroux 19 Jahre alt war, heiratete er seine erste Frau. Die Ehe hielt nur bis 1983, zu dieser Zeit unterhielt er bereits eine Affäre mit Michelle Martin. Die beiden heirateten im Jahr 1989, während beide im Gefängnis einsaßen. Aus der Ehe entstanden drei gemeinsame Kinder. Im Jahr 2003 ließen sich Dutroux und Martin – ebenfalls im Gefängnis – wieder scheiden.

Der Beginn einer kriminellen Laufbahn und die Häuser des Marc Dutroux

Lange Zeit beging Dutroux als gelernter Elektriker ohne Arbeitsanstellung Autodiebstähle, diverse Überfälle und handelte mit Drogen. Im Februar 1986 wurden Dutroux und seine damalige Ehefrau Michelle Martin verhaftet, da sie fünf junge Mädchen entführt und vergewaltigt hatten. Für diese Tat wurde Detroux im April 1989 zu dreizehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, während Michelle Martin eine fünfjährige Haftstrafe absitzen musste. Aufgrund seines vorbildlichen Benehmens während seiner Inhaftierung entließ man Detroux im April 1992 auf Bewährung, nachdem er etwas mehr als drei Jahre verbüßt hatte. Nach seiner Freilassung erhielt die Bewährungsbehörde einen Brief mit einer Warnung von Detroux’s Mutter adressiert an den Gefängnisdirektor.

Nun auf freiem Fuß konnte Marc Dutroux einen Psychiater davon überzeugen, dass er unter einer Behinderung litt. Dies führte zu einer staatlichen Rente. Zusätzlich erhielt er Schlaftabletten und Beruhigungsmittel, welche er später dazu verwendete, die entführten Mädchen ruhigzustellen.

Dutroux besaß sieben Häuser, von denen die meisten leer standen. Drei dieser Häuser benutzte er, um die entführten Mädchen zu foltern. Die meiste Zeit lebte er in seinem Haus in Marcinelle bei Charleroi an der Avenue Philippeville 128. In dessen Keller baute er einen versteckten Kerker. Die Zelle befand sich hinter einer massiven Betontür, welche als Regal verkleidet war. Das selbstgebaute Verließ war 2,15 Meter lang, weniger als einen Meter breit und 1,64 Meter hoch. Alle Mädchen wurden hier und im Schlafzimmer gefangen gehalten. Mittlerweile ist das Haus Eigentum der Gemeinde Charleroi und es ist geplant, hier einen offenen Raum mit einer Gedenkstätte zu errichten. Nach belgischem Recht hat ein Eigentümer bei einem obligatorischen Kauf das Recht, ein Haus zu besuchen. Dutroux besuchte dies am 10. September 2009 unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen der Polizei.

Ein weiteres von Dutroux’s Häusern befand sich in Jumet und wurde mittlerweile abgerissen. Zwei seiner Opfer wurden in dessen Garten begraben, weiterhin lebte sein Komplize Weinstein eine Weile dort. An der Begräbnisstelle befindet sich ein kleines Denkmal.

Im Haus in Marchienne-au-Pont wurden zwei weitere von Marc Dutroux’s Opfern kurz nach ihrer Entführung gefangen gehalten. Auf dem Grundstück des Hauses in Sars-la-Buissière wurden zwei weitere Mädchen sowie sein Komplize Bernard Weinstein von Dutroux begraben, nachdem dieser sie ermordet hatte. Mittlerweile ist das Haus Eigentum der Gemeinde Lobbes und es ist geplant, einen Park mit einem Denkmal zu errichten, welches an die Opfer von Marc Dutroux erinnern soll.

Das Haus von Marc Dutroux in Charleroi-Marcinelle (Belgien)

 

Die Gräueltaten des Marc Dutroux

Am 24. Juni 1995 hat Dutroux die 8-jährige Julie Lejeune sowie die ebenfalls 8-jährige Mélissa Russo entführt und in seinem Keller eingesperrt. Dort wurden die Mädchen wiederholt missbraucht und für die Produktion pornografischer Videos benutzt. Am 22. August 1995 wurden die 17-jährige An Marchal und die 19-jährige Eefje Lambrecks von einem Campingplatz in Ostende entführt. Da zu diesem Zeitpunkt das selbstgebaute Verließ bereits besetzt war, wurden die Mädchen an ein Bett in Dutroux’s Haus gekettet. Die genauen Umstände ihres Todes sind nicht bekannt, es wird jedoch davon ausgegangen, dass die beiden Opfer einige Wochen später ebenfalls getötet wurden.

Ende 1995 untersuchte die Polizei Dutroux aufgrund seiner Beteiligung an einen Diebstählen von Luxusautos. Vom 6. Dezember 1995 bis zum 20. März 1996 befand sich Dutroux in Haft. Während dieser Zeit waren Julie Léjeune und Mélissa Russo nach wie vor im Kellerverließ und mussten qualvoll verhungern.

Nach seiner Freilassung verschleppte Marc Dutroux am 28. Mai 1996 die 12-jährige Sabine Dardenne auf ihrem Schulweg und sperrte sie in seinen Kerker. Am 9. August 1996 entführte er außerdem die 14-jährige Laetitia Delhez, als diese nachts aus einem öffentlichen Schwimmbad nach Hause ging.

Am 13. August 1996 wurden Marc Dutroux und seine Frau Michelle Martin verhaftet, im Anschluss wurde jedes einzelne seiner Häuser erfolglos durchsucht. Zwei Tage später jedoch gestand Dutroux seine Taten und führte die Ermittler in den Kerker seines Hauses. Dort wurden am 15. August 1996 sowohl Sabine Dardenne als auch Laetitia Delhez lebend gefunden. Jahre später erzählte Sabine Dardenne in einem Interview, dass Dutroux ihr erzählte, sie wurde von einer Bande entführt und ihre Eltern wollten nicht zahlen. Aus diesem Grund würde die Bande sie töten wollen. Er jedoch sei ihr Verbündeter und wolle sie schützen. Er befahl ihr, Briefe an ihre Familie zu schreiben, welche er zwar las, jedoch nie verschickte.

Am 17. August 1996 führte Dutroux die Ermittler in sein Haus in Sars-la-Buissière. Dort im Garten wurden die Leichen der verhungerten Mädchen Julie Léjeune und Mélissa Russo sowie seines Komplizen Bernard Weinstein entdeckt. Eine Autopsie bestätigte den qualvollen Hungertod der beiden jungen Opfer, Weinstein wurde unter Drogen gesetzt und von Dutroux lebendig begraben. Laut Aussage von Marc Dutroux brachte dieser Weinstein nur um, da er sich während seiner Haftzeit nicht um die eingesperrten Mädchen gekümmert hatte. Letztendlich verriet Dutroux den Ermittlern ebenfalls, wo sich die Leichen von An Marchal und Eefje Lambrecks befanden. Diese wurden am 3. September 1996 begraben unter einer Hütte neben einem von Dutroux’s Häusern gefunden, in welchem er zuvor drei Jahre lang gelebt hatte.

Insgesamt wurden in den Häusern von Marc Dutroux mehrere hundert pornografische Videos mit minderjährigen Opfern gefunden.

 

Öffentlicher Skandal aufgrund von polizeilichen Ermittlungsfehlern

Die belgischen Behörden wurden für unterschiedliche Aspekte in der Ermittlungsarbeit im Fall Marc Dutroux scharf von der Öffentlichkeit kritisiert. Insbesondere wurde angezeigt, dass die Polizei sowohl am 13. Dezember 1995 als auch am 19. Dezember 1995 das Haus von Dutroux im Zusammenhang mit seiner Anklage wegen Autodiebstahls durchsuchte, die beiden sich im Kellerverlies befindlichen Mädchen jedoch nicht gefunden wurden. Da die Durchsuchungen nicht vor dem Hintergrund einer Entführung stattfanden, verfügte die Polizei nicht über Hunde oder Spezialausrüstung. Später berichtete aber ein Ermittler, dass er die Kinder hatte weinen hören.

Zudem wurden einige frühe Hinweise auf die Absichten von Marc Dutroux nicht richtig weiterverfolgt. Dieser hatte einem Informanten der Polizei Geld für die Versorgung von Mädchen angeboten und ihm mitgeteilt, dass er in seinem Keller ein Verließ bauen wollte. Seine Mutter schrieb auch einen zweiten Brief an die Behörden und behauptete in diesem, dass ihr Sohn Mädchen in seinen Häusern gefangen hielt.

Diese schwerwiegenden Polizeifehler sowie die allgemeine Langsamkeit der Ermittlungen sorgte für eine große Wut und Frustration unter den Belgiern, welche darin gipfelten, dass der für diesen Fall zuständige Untersuchungsrichter entlassen wurde, nachdem dieser an einem Fundraising-Dinner der Eltern der Mädchen teilgenommen hatte. Seine Entlassung führte im Oktober 1996 zu einem massiven Protestmarsch (dem “Weißen Marsch”) von 300.000 Menschen in der Hauptstadt Brüssel, bei dem Forderungen nach Reformen des belgischen Polizei- und Justizsystems gestellt wurden.

Eine 17-monatige Untersuchung einer parlamentarischen Kommission in Bezug auf die Dutroux-Affäre ergab im Februar 1998 einen Bericht. Die Kommission stellte abschließend fest, dass Marc Dutroux zwar keine Komplizen in hohen Positionen des Polizei- und Justizsystems hatte, wie dieser weiterhin behauptete, aber von Korruption profitierte.

 

Schlamperei und Inkompetenz

Im April des Jahres 1998 stieg die öffentliche Empörung erneut auf. Als Dutroux ohne Handschellen in ein Gerichtsgebäude gebracht wurde, gelang es ihm, einen seiner Wachen zu überwältigen, dessen Waffe an sich zu nehmen und zu fliehen. Er wurde einige Stunden später wieder gefasst. Der Justizminister, der Innenminister und der Polizeichef gaben daraufhin ihren Rücktritt bekannt. Im Jahr 2000 erhielt Dutroux eine fünfjährige Haftstrafe, da er während seiner Flucht einen Polizisten bedroht hatte. Im Jahr 2002 wurde er erneut zu fünf Jahren Haft wegen Verbrechen ohne Bezug verurteilt.

Es wurde spekuliert, dass Marc Dutroux nur ein Teil eines weit verbreiteten Netzwerks von Pädophilen und Satanisten war, zu dem angeblich auch prominente belgische Bürger gehörten. Diese Anklage wurde insbesondere von den Eltern der entführten Mädchen sowie von Dutroux selbst erhoben. Einige Quellen, darunter auch die belgische Polizei, haben die Richtigkeit solcher Behauptungen in Frage gestellt. Enttäuscht von der Durchführung der Untersuchung zogen sich die Eltern von Mélissa Russo und Julie Léjeune im Jahr 2002 aus dem Prozess zurück. 2003 gab die neunzehnjährige Sabine Dardenne der Presse ein erstes Interview. Sie erklärte, dass sie aufgrund ihrer Beobachtungen während ihrer 79-tägigen Gefangenschaft dachte, dass Dutroux allein und ohne Komplizen handelte.

Der Fall Dutroux gilt bis heute als so abscheulich und berüchtigt, dass mehr als ein Drittel der Belgier mit dem Nachnamen “Dutroux” zwischen 1996 und dem Zeitpunkt des Prozesses beantragte, ihren Namen zu ändern.

 

Der Prozess

Der Prozess gegen Marc Dutroux begann am 1. März 2004, etwa siebeneinhalb Jahre nach seiner ersten Festnahme. Es war ein Prozess der Jury und es wurden 450 Personen zur Aussage aufgefordert. Die Verhandlung fand in Arlon, der Hauptstadt der belgischen Provinz Luxemburg, statt. Dort waren die Ermittlungen eingeleitet worden.

Die Anklage bezog sich auf den Mord an An Marchal, Eefje Lambrecks und Bernard Weinstein, dem Komplizen von Dutroux. Zwar gab Dutroux die Entführungen zu, jedoch bestritt er alle drei Morde, obwohl er zuvor gestanden hatte, Weinstein getötet zu haben. Weiterhin wurde Marc Dutroux wegen unterschiedlichen anderen Verbrechen angeklagt, dazu zählten Autodiebstahl, Entführung, versuchter Mord, versuchte Entführung, Belästigung sowie drei nicht zu diesem Fall gehörende Vergewaltigungen von Frauen aus der Slowakei.

 

Das Urteil

Michelle Martin wurde als Komplizin vor Gericht gestellt. Um die Angeklagten zu schützen, mussten diese während des Prozesses in einem Glaskäfig sitzen. In der ersten Woche des Prozesses durften Fotos von Marc Dutroux’s Gesicht aus Datenschutzgründen nicht in den belgischen Zeitungen abgedruckt werden. Während der gesamten Prozessdauer bestand Dutroux weiterhin darauf, Teil eines europaweiten pädophilen Rings mit Verbündeten unter Polizisten, bekannten Geschäftsleuten, Ärzten und sogar hochrangigen belgischen Politikern zu sein.

Am 14. Juni 2004, nach dreimonatiger Gerichtsverhandlung, zog sich die Jury zur Urteilsfindung zurück. Am 17. Juni 2004 wurden Marc Detroux und Michelle Martin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Am 22. Juni 2004 verkündigte der Richter die Höchststrafe von lebenslanger Haft für Detroux, Michelle Martin erhielt 30 Jahre Haft. Belgien hatte bereits im Jahr 1996 die Todesstrafe für alle Verbrechen abgeschafft.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.