Grusel garantiert – Menschenfressende Pflanzen

| 11. Januar 2021 |

Menschenfressende Bäume oder Pflanzen sind ein beliebtes Thema der Gruselgeschichten. Sie stehen unverdächtig in der Natur, grünen und blühen, nur um sich unvermittelt ahnungslose Passanten zu greifen und sie langsam zu verschlingen. In der ganzen Welt gibt es zahllose Berichte von menschenfressenden Pflanzen. Weil uns die Vorstellung so erschreckt? Oder ist an den Legenden doch mehr Wahrheit, als uns lieb ist?

 

Der Vampir-Wein aus Nicaragua

Wie der Name schon sagt: Die Pflanze saugt das Blut aus allem Leben. Wer in ihre Nähe gerät, ist verloren. Die mehrfache Veröffentlichung eines Artikels sorgte zunächst für Verwirrung und die Geschichte wurde zunächst als freie Erfindung abgetan. Tatsächlich hatte alles seine Richtigkeit und der Bericht erschien zuerst in einer Zeitung des Jahres 1889. Im September 1891 wurde eine Kurzfassung im Magazins “Lucifer” veröffentlicht. Schließlich erschien der Artikel nochmals in der “Illustrated London News” (27. August 1892), veröffentlicht vom schottischen Wissenschaftsautor Andrew Wilson. Bei dem im Bericht genannten “Mr. Dunstan” soll es sich tatsächlich um einen Sir Wyndham Rowland Dunstan (1861 – 1949), einem bekannten Naturforscher aus New Orleans, gehandelt haben. Dunstons Hund hat den Nicaragua-Trip seines Herrchens seinerzeit nicht überlebt; er wurde von der fleischfressenden Pflanze getötet. Die Ereignisse trugen sich wie folgt zu:

Der Naturforscher Mr. Dunston ist kürzlich aus Mittelamerika zurückgekehrt. Dort hat er zwei Jahre lang die Flora und Fauna des Landes erforscht. Dunston berichtet von einer einzigartigen Pflanze in einem der Sümpfe in Nicaragua. Er war gerade dabei botanische und entomologische Exemplare zu suchen, als er seinen Hund qualvoll jaulen hörte. Mr. Dunston fand schließlich seinen Hund – in den Fängen eines scheinbar feinen, seilartigen Gewebes aus Wurzeln und Fasern. Seine einheimischen Gehilfen erkannten die Pflanze sofort, die sie “Des Teufels Schlinge” nennen. Sie wussten zahlreiche Geschichten über die tödlichen Kräfte der Pflanze zu berichten. Wer in die “Krallen” der Pflanze gerät, kann sich nur noch durch einen Verlust der betroffenen Haut oder des Fleisches retten. Mr. Dunston konnte sich kaum in die Nähe der Pflanze wagen, doch erkannte er kleine Münder oder etwas wie Saugnäpfe an ihren Stängeln. Die sind normalerweise geschlossen und öffnen sich nur für die Aufnahme von Nahrung. Bei tierischer Nahrung wird das Blut ausgesaugt und der Kadaver fallen gelassen.

 

Der Madagaskar-Baum

Auf der malerischen Insel Madagaskar soll die bekannteste aller menschenfressenden Pflanzen stehen. Mitten im indischen Ozean wird Charles Darwins revolutionäre Theorie von der pflanzlichen Karnovorie – die sich auf insektenfressende Pflanzen bezieht – an Entsetzen noch übertroffen.

Bei dem menschenfressenden Madagaskar-Baum soll es sich um eine Legende der Mkodos handeln. Diese leben im Landesinnereien der Insel und tauchen gelegentlich in Missionarsberichten auf. Bezeugt haben will auch ein deutscher Forschungsreisender den Menschenfresser-Baum. Im Jahr 1878 soll “Carl Liche” oder “Karl Leche” einem polnischen Botaniker, Ornelius Fredlowski, von der Entdeckung der Pflanze geschrieben haben. Das Problem: Weder Fredlowski noch Liche/Leche konnten je ausfindig gemacht werden. Willy Ley, ein deutscher Wissenschaftspublizist und Raketenkonstrukteur, begab sich in den 1950er Jahren auf die Suche und vermutete schließlich, dass die Personen eine Erfindung waren.

 

Menschliches Opfer für den Baum

Was Liche oder Leche jedoch an seinen polnischen Botaniker-Freund schrieb, hatte es in sich: Im Brief berichtet er von der Opferung einer Frau. Die Mkodos sollen sie dem etwa 2,5 Meter hohen Baum, mit acht je 3,5 Meter langen Blättern und mehreren 1,5 langen Fühlern als menschliches Opfer dargebracht haben. Seine Berichte lassen das Blut in den Adern gefrieren:

Die Baumranken stellten sich nacheinander nach oben, um dann mit großer Energie und Schnelligkeit das Opfer zu umhüllen. Die schlanken, zarten Palpi erinnern an wütende, verhungerte Schlangen, so beschreibt es Liche/Leche. Für einen Moment zitterten sie über dem Kopf der Frau, um sich dann ganz plötzlich und wie mit dämonischer Intelligenz um ihren Hals und ihre Arme zu schlingen. Ihre schrecklichen Schreie mischten sich mit einem noch schrecklicheren Lachen, das der Baum schnell zu einem gurgelnden Stöhnen erdrosselte. Immer enger, immer grausamer und immer schneller agierte die Pflanze – wie eine Anakonda, die sich an ihrer Beute festsetzt.

 

Fleischfressende Pflanzen auf der ganzen Welt

Seit Leches Bericht haben zahlreiche Wissenschaftler nach dem geheimnisvollen und tödlichen Madagaskar-Baum gesucht – ohne nachweislichen Erfolg. Auch zahlreiche Veröffentlichungen befassten sich mit der mörderischen Pflanze, wie etwa in 1881 das australische Magazin “South Australien Register” oder in 1920 “The American Weekly”. Die amerikanische Zeitung zitierte den geheimnisvollen Carl Liche sogar in Form eines Interviews.

 

Mythos menschenfressende Pflanzen

Weithin akzeptiert ist die Vorstellung der insektenfressenden Pflanzen. Doch selbst Charles Darwins Theorie wurde anfänglich mit Befremden aufgenommen. Dass es auch Gewächse geben soll, die sehr viel größere Opfer verdauen können, wird von der Wissenschaft weithin abgelehnt. Doch immer wieder tauchen Berichte auf. Wie etwa im Jahr 1925, in der wiederum die “American Weekly” von einer menschenfressenden Pflanze auf der philippinischen Insel Mindanao berichtete. Im Bewusstsein der lokalen Stämme und Volksgruppen sind diese tödlichen Pflanzen tief verankert. Sie gehören zum Alltag, man kennt sie und – man geht Ihnen aus dem Weg. Meist sind es Abenteurer, Botaniker und vielleicht ahnungslose Touristen – die in ihre Fänge geraten.

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