Plesiosaurier – Die Giganten der urzeitlichen Ozeane

Vor 208 bis 66 Millionen Jahren waren Plesiosaurier die Beherrscher der Weltmeere. Mit ihrem großen und kräftigen Körper durchpflügten sie die Ozeane auf der Suche nach Nahrung. Wie ihre auf dem Land lebenden Verwandten, die Dinosaurier, starben sie mit diesen aus. Doch die erhalten gebliebenen Fossilien brachten in den letzten Jahren neue Erkenntnisse über die Lebensweise dieser beeindruckenden Tiere.

Was waren die Plesiosaurier und wie sahen sie aus?

Die Plesiosaurier (die wissenschaftliche Bezeichnung lautet „Plesiosauria“, Einzahl „Plesiosaurus“) waren in den Weltmeeren lebende Reptilien von imposanter Größe. Sie lebten vom Obertrias bis zur oberen Kreidezeit, also vor 208 bis 66 Millionen Jahren. Zoologisch betrachtet werden sie den Lepidosauromorpha zugeordnet und sind damit direkte Vorfahren der heute lebenden Schlangen und Echsen. Nahe Verwandte der Plesiosaurier waren die Pliosaurier, die einen kurzen, aber recht kräftigen Hals besaßen. Beiden Saurierarten ereilte das gleiche Schicksal wie ihren Verwandten auf dem Land. Sie sind zusammen mit den Dinosauriern vor 66 Millionen Jahren ausgestorben, als die Erde durch den Einschlag eines Asteroiden verwüstet wurde.

Die Größe eines Plesiosauriers wird mit 3 bis 15 Metern angegeben, der Fund von Fossilien lässt jedoch darauf schließen, dass sie durchaus eine Maximallänge von 20 Metern erreichen konnten. Der Körper der Plesiosaurier war spindelförmig mit einem für die Körpergröße relativ kurzem Schwanz. Ein langer, aus bis zu 72 Wirbeln bestehender Hals hat dem Plesiosaurier sein typisches Aussehen gegeben. Furchteinflößend muss der Schädel gewesen sein. Er war mit bis zu 4 Metern Länge riesig und mit unterschiedlich langen Zähnen besetzt.

Es wird angenommen, dass Plesiosaurier warmblütig waren und ihre Körpertemperatur auf 33° C halten konnten.

 

Die Fortbewegung der Plesiosaurier – Rudern oder Unterwasserflug?

Plesiosaurier lebten bekanntlich im Wasser. Daher erscheint das Rudern mit den Flossen zur Fortbewegung zunächst plausibel. Dabei entsteht durch den Wasserwiderstand ein Rückstoß. Wir kennen das vom Schwimmen her und auch viele Tiere, wie zum Beispiel Wasservögel, bedienen sich dieses Prinzips.
Eine genaue Untersuchung der eher stromlinienförmigen Flossen und Skelettstruktur zeigte jedoch, dass die Tiere sich durch einen sogenannten Unterwasser-Flug fortbewegt haben. Auch die starken Brust- und Beckenknochen sind ein Indiz für die Art der Fortbewegung. Wie beim Fliegen in der Luft entstehen ober- bzw. unterhalb der Flossen unterschiedliche Druckverhältnisse, die für den Auftrieb sorgen. Auch unsere heute lebenden Meeresschildkröten, Ottern und die Pinguine praktizieren im Wasser die gleiche Methode.

 

Die Fortpflanzung der Plesiosaurier – das Rätsel scheint gelöst

Lange Zeit waren sich die Forscher nicht sicher, auf welche Weise Plesiosaurier ihren Nachwuchs zur Welt brachten. Weil Saurier zu den Reptilien zählen, wurde angenommen, dass diese Eier legen. Dazu müssen die Plesiosaurier an Land gehen. Ein Landgang wäre ihnen aber vermutlich zum tödlichen Verhängnis geworden. Weil der im Wasser vorhandene Auftrieb fehlt, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Skelett die Masse des Körpers nicht mehr tragen kann. In deren Folge wird die Lunge zusammengedrückt und die Tiere sterben auf die gleiche Weise wie gestrandete Wale.

Funde von Föten im Mutterleib der nahen Verwandten vom Typ der Mosasaurier und Ichthyosaurier lassen darauf schließen, dass auch die Plesiosaurier ihre Jungen im Wasser lebendgebärend zu Welt brachten. Wissenschaftler fanden im Bauchraum eines Plesiosaurier-Weibchens ein 1,5 Meter großes Baby. Es wird vermutet, dass die Tiere wahrscheinlich nur einzelnes Junges zur Welt brachten. Es ist naheliegend, dass das Muttertier auch nach der Geburt seinen Nachwuchs beschützte und mit Nahrung versorgte, ähnlich den heute lebenden Delfinen und Walen.

 

Auf Beutefang in den Ozeanen der Urzeit

Die genaue Analyse des Zahnapparates deutet darauf hin, dass Plesiosaurier Fleischfresser waren. In den Weltmeeren stand ihnen ein schier unerschöpfliches Reservoir an Nahrung zur Verfügung. Auf der Speisekarte standen vor allem Fisch und kleinere Tiere wie Tintenfische, Krebse und Muscheln. Diese wurden vom Meeresboden aufgesammelt. Der lange Hals der Plesiosaurier war dabei sicher eine wertvolle Hilfe.

Einen eindrucksvollen Beweis für die hohe Anpassungsfähigkeit der Lebewesen fanden Wissenschaftler der Universitäten Duisburg-Essen und Bonn. Sie entdeckten, dass Plesiosaurier mit besonders großen roten Blutkörperchen ausgestattet waren. Als XXL-Ausgabe waren sie in der Lage, größere Mengen an Sauerstoff zu binden. Langen und häufigen Tauchgängen bis zum Meeresboden stand nichts mehr im Wege.