Richard Ramirez – Das verstörende Leben des Serienmörders

| 30. Dezember 2020 |

In Los Angeles machte sich 1985 Panik breit, denn ein Einbrecher machte die Runde. Nachts schlich er sich in die Häuser der Vorstadt, vergewaltigte die Frauen, tötete deren Männer und hinterließ bei seinen Taten satanistische Botschaften. Richard Ramirez, der sogenannte Night Stalker, vergriff sich an Seniorinnen sowie an Teenagern, er nutzte mal die Machete, mal eine Pistole als Tatwaffe. Die Fahnder tappten lange Zeit aufgrund seiner unorthodoxen Vorgehensweise im Dunkeln.

 

Der Albtraum aus Kalifornien: Richard Ramirez

Richard Ramírez nannte sich selbst einen Satanist. Er war ein Fanatiker und Serienmörder, der brutal und wahllos zuschlug. Mindestens 14 Menschen tötete er zwischen April 1984 und August 1985 und schien dabei keinerlei Muster zu haben. Diese Tatsache machte die Taten des Night Stalkers umso grauenvoller und versetzten die Menschen in Los Angeles in Angst und Schrecken.

Wer sich mit dem Wahnsinn von Serienmördern beschäftigt, versucht immer zuerst zu verstehen, nach welchem Muster die Psychopathen vorgehen. Meist sind es bestimmte Handlungen, die während der Bluttaten immer und immer wiederholt werden, sodass Psychoanalytiker leichter verstehen können, was in den Bestien vorgeht. Jeffrey Dahmer oder Ted Bundy entwickelten unter anderem schon sehr früh einen solchen Modus Operandi und auch Jack the Ripper ging im Jahr 1888 bei seinen Morden nach einem bestimmten Muster vor.

Richard Ramirez war hingegen anders, denn er tötete vollkommen wahllos und nutzte niemals die gleiche Methode. Sein jüngstes Opfer war erst 9 Jahre alt, das älteste Opfer hatte hingegen fast das 80. Lebensjahr erreicht. Manche vergewaltigte und missbrauchte er, andere wurde einfach nur von ihm umgebracht. Männer, Frauen, Paare, Kinder, Singles, Senioren, Freude – all dies war dem Night Stalker egal. Ihm schien es ausschließlich um den reinen Akt des Tötens zu gehen. Und selbst dabei ging er nicht immer gleich vor. Einige Menschen wurden brutal erwürgt, andere wurde erschossen oder er schnitt ihnen die Kehle durch. Manchmal prügelte er förmlich das Leben aus dem Laibe.

Auch die Wohnungseinbrüche wurden nicht zu seinem Muster. Die 30-jährige Tsai Lian Yu zerrte er beispielsweise einfach aus ihrem Auto und erschoss sie an Ort und Stelle. Darüber hinaus schien es Richard Ramirez im Gegensatz zu vielen seiner Serienmörder-Kollegen auch nicht zu interessieren, ob seine Opfer wirklich tot waren und so überlebten immer wieder einige seiner Opfer. Dem Night Stalker war dieser Umstand jedoch vollkommen egal. Letzten Endes führte diese Tatsache allerdings zu seiner Verhaftung.

Die düstere Kindheit des Serienmörders

Viele offene Fragen lassen sich klären, wenn man einen Blick in die Kindheit des Night Stalkers wirft. Richard Ramirez wurde 1960 in El Paso, Texas als jüngstes von vier Kindern geboren. Zwei seiner älteren Geschwister sind mit Geburtsfehlern zur Welt gekommen und waren behindert. Nachdem Ramirez zwei Kopfverletzungen in seiner Kindheit erlitten hatte, wurde er immer wieder von epileptischen Anfällen geplagt. Als Neunjähriger geschah ihm schließlich das Unfassbare: Ramirez wurde von seinem Lehrer sexuell missbraucht.

Mit 12 Jahren stand er schließlich stark unter dem Einfluss seines älterer Cousins, der im Vietnamkrieg gedient hatte und als Teenager immer wider damit prahlte, vietnamesische Frauen verstümmelt, vergewaltigt und gequält zu haben. Sogar Beweisfotos legte er vor. Letzten Endes schaute Richard Ramírez seinem Cousin sogar dabei zu, wie dieser eine Frau umbrachte.

Nach und nach setzte sich so der Keim der Gewalt im Night Stalker fest und noch bevor er 1976 nach Los Angeles zog, versuchte er als 16-jähriger eine Frau zu vergewaltigen. Die Tat wurde allerdings nie zur Anzeige gebracht.

 

Frauenheld und Psychopath

Richard Ramírez übte auf zahlreiche Frauen eine fatale Anziehungskraft aus, was sich selbst nach seiner Verhaftung kaum änderte. Sicherlich trug sein oberflächlich betrachtet gutes Aussehen einen großen Teil dazu bei, denn er präsentierte sich als gutaussehender Mann mit dunklen langen Haaren und einem tollen Lächeln.

Trotz der Tatsache, dass er während seiner Morde satanistische Botschaften an die Wände der Wohnungen schmierte, wirkte das auf Frauen kaum abschreckend. Nachdem er 1985 verhaftet wurde, feierten ihn viele wie einen echten Popstar. Die damals 41 Jahre alte Journalistin Doreen Lioy konnte schließlich das Herz des Serienmörders gewinnen und heiratete ihn sogar im Jahr 1996 im San Quentin State Prison. Allerdings hat sie bereits einige Zeit später ihren Mann verlassen.

Ihre Nachfolgerin war der Presse nur als Susam bekannt. Sie schwärmte immer wieder in Interviews von ihrem Geliebten. So auch im Jahr 2010, als sie gefragt wurde, ob sie keine Angst habe, einem der schlimmsten Verbrecher Amerikas gegenüberzutreten. Daraufhin antwortete sie: “Ich liebe die Art und Weise, wie er mit zuhören kann und mich als Frau behandelt. Er ist jetzt anders als früher”.

 

Die grausame Mordserie des Night Stalkers

Die Mordserie des berüchtigten Night Stalkers begann offiziell zunächst am 29. Juni 1984. Damals missbrauchte und erstach er die 79 Jahre alte Jennie Vincow nach einem Einbruch in deren Wohnung. Seinen zweiten Mord beging er ein halbes Jahr später am 7. März 1985. Ramirez hatte versucht, die Mitbewohnerin eines seiner Opfer zu töten. Allerdings konnte sie entkommen und lieferte der Polizei eine recht brauchbare Beschreibung des Täters. Noch am selben Tag zerrte er eine 30-jährige Frau aus ihrem Auto und erschoss sie an Ort und Stelle. Durch diese beiden Taten, die am selben Tag stattfanden, wurden sodann auch die Medien auf die Fälle aufmerksam und es breitete sich Panik in der Bevölkerung aus. In den Medien wurde er als Mann mit langen Locken, schlechten Zähnen und wulstigen Augen beschrieben.

Nur drei Tage später entführte und missbrauchte Ramírez aus Eagle Rock ein Mädchen. Am 27. März 1985 tötete er das Ehepaar Vincent und Maxine Zazzara. Ramirez schnitt der Frau brutal die Augäpfel heraus. Die in der Wohnung aufgefundene Leiche wurde umgehend obduziert. Die Verletzungen wurden der Frau demnach erst nach ihrem Tod zugefügt. Die Augäpfel fanden die Ermittler allerdings nie.

Von diesem Zeitpunkt an ermittelte die Polizei auch in anderen US-amerikanischen Staaten. Allerdings blieben die Ermittlungen lange ergebnislos, zumal Ramírez während dieser Zeit keine neuen Morde beging. Erst im Mai drang Ramírez in die Wohnung eines 65-jährigen Mannes in Monterey Park ein und schoss diesem in den Kopf. Während Ramirez im Begriff war, auch dessen Ehefrau zu töten, konnte der sterbende Mann noch die Notrufnummer wählen, wodurch der Mörder schließlich die Flucht ergriff. Als die Polizei eintraf, war der Mann allerdings bereits verblutet.

Etwa eine Woche später verletzte er zwei Frauen in deren Wohnung schwer. Die beiden 80-Jährigen erlagen später ihren Verletzungen. Bevor Ramirez die Wohnung verließ, bekritzelte er die Wände umgedrehten Pentagrammen.

Drei weitere Frauen gingen im Juni und Juli auf das Konto des Serienmörders. Alle wurden in den eigenen Wohnungen brutal ermordert. Er erschlug eine von ihnen, den anderen beiden schnitt er die Kehle durch. Am 20. Juli 1985 tötete er sodann einen 32 Jahre alten Mann und vergewaltigte die Frau des Opfers. Auch der achtjährige Sohn des Paares wurde von Ramirez missbraucht. Noch am selben Tag musste ein weiteres Ehepaar in Glendale, Kalifornien ihr Leben lassen und schon zwei Wochen später setzte er seine Mordserie mit einem Paar in Northridge fort. Beide kamen jedoch mit schweren Verletzungen davon und konnten ebenfalls eine Beschreibung abgeben, die auf das Profil des aus den Medien bekannten Night Stalkers passte.

Ramirez verließ daraufhin die Gegend. In San Francisco erschoss er am 17. August 1985 einen 66 Jahre alten Mann. Dessen Ehefrau überlebte hingegen den Anschlag und konnte den Angreifer später bei der Polizei ebenfalls als Night Stalker identifizieren.

Der Polizei gelang schließlich der entscheidende Durchbruch, nachdem Ramirez am 24. August 1985 einem 29-jährigen Mann in den Kopf geschossen hatte und brutal dessen Verlobte missbrauchte. Beide überlebten und konnten eine Beschreibung des Täters liefern. Ein Jugendlicher, der einige Blocks entfernt lebte, bemerkte damals etwa 60 Minuten vorher einen Mann auf dem Grundstück, der allem Anschein nach eine Möglichkeit suchte, in das Haus der Familie zu gelangen. Der Junge wurde von dem Einbrecher bemerkt, woraufhin dieser umgehend die Flucht ergriff. Der Jugendliche sah allerdings noch den Fluchtwagen und konnte sich einen Teil des Autokennzeichens merken. Das Auto war als gestohlen gemeldet und wurde am 28. August 1985 von den Ermittlern aufgefunden. Darin konnte die Polizei am Rückspiegel einen Fingerabdruck sicherstellen, den man dem 25 Jahre alten Texaner Richard Ramirez zuordnete. Dessen Fingerabdrücke waren den Behörden schon aus einer früheren Veruteilung bekannt, als er wegen Autodiebstahl belangt wurde. Das Polizeifoto von Ramirez wurde zwei Tage später im landesweiten Fernsehen ausgestrahlt und bereits am nächsten Tag erkannte eine Latino-Gruppe Ramirez in Los Angeles wieder. Sie schlugen ihn zusammen, als er gerade versuchte ein Auto zu stehlen. Der Mob wurde von der Polizei aufgelöst, damit verhindert werden konnte, dass Ramirez von der Gruppe gelyncht wurde.

Erst im Jahr 2009 konnte dem Night Stalker noch ein weiterer Mord nachgewiesen werden. Demnach war nicht Jennie Vincow sein erstes Opfer, sondern er tötete bereits am 10.04.1984 die damals neunjährige Mei Leung in deren Elternhaus. Dies konnten die Ermittler anhand eines DNA-Abgleichs beweisen.

Richard Ramirez im Juni 2007

 

Verfahren und Verurteilung

Ramirez wurde am 20. September 1989 des fünffachen versuchten Mordes und des dreizehnfachen Mordes, sowie der elffachen Vergewaltigung und des vierzehnfachen Einbruchs von der Jury für schuldig erklärt. Man verurteilte ihn daraufhin am 7. November 1989 zum Tode in der Gaskammer. Bis heute gilt das Strafverfahren von Richard Ramirez als eines der längsten und kompliziertesten in der amerikanischen Justizgeschichte. Insgesamt 165 Zeugen und mehr als 1600 angehende Jurymitglieder wurden damals angehört und befragt.

Die Los Angeles Times berichtete schließlich in ihrere Ausgabe vom 3. August 1988, dass Ramirez plane, eine Schusswaffe ins Gericht zu schmuggeln, um damit den Staatsanwalt zu erschießen. Daraufhin wurde der Gerichtssaal mit Metalldetektoren ausgestattet. Am 14. August musste sodann das Verfahren unterbrochen werden, weil eines der Jurymitglieder tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde. Wie sich herausstellte, hatte allerdings Ramirez nichts mit dem Tot der jungen Frau zu tun, sondern sie wurde von ihrem Freund erschossen.

Da Richard Ramirez immer wieder zahlreiche Anträge auf Gnade stellte, zögerte sich die Vollstreckung über viele Jahre lang hinaus, sodass er insgesamt 28 Jahre lang auf die Hinrichtung in der Gaskammer wartete. Bevor man den Night Stalker letztlich hinrichten konnte, starb er im Alter von 53 Jahren am 7. Juni 2013 an Leberversagen.

 

Quellen

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