Selma – das Seeungeheuer aus dem Wappen

| 30. Dezember 2020 |

Selma treibt sich in den norwegischen Fjorden herum. Der Legende nach ist die Seeschlange im norwegischen See Seljordsvatn zuhause. Das pechschwarze Seeungeheuer soll zwischen 4 und 50 Metern lang sein, mit einem furchteinflößenden pferde- oder krokodilähnlicher Kopf. Manche Zeugen sahen Buckel auf dem Rücken von Selma, andere Vorderflossen zur Fortbewegung. Im ältesten Bericht soll Selma ein Ruderboot umrundet haben. Darin saß ein Mann aus Bo, der den See von Ulvenes nach Nes überqueren wollte.

Ist Selma das Seemonster vielleicht nur eine Erfindung? Das Seeungeheuer ziert das Wappen von Seljord in Telemark – seiner Heimat. Die erste bekannte Überlieferung stammt aus dem Jahr 1750. Vor allem in heißen und ruhigen Sommern soll sich Selma zeigen. Oder sind an diesen Sommerabenden besonders viele Spaziergänger unterwegs, denen sich Selma zeigt? Bernt Solvoll, der Kulturdirektor von Seljord, bemerkt dazu, dass die Monate Juli und August ideal für Beobachtungen sind, denn in den wärmeren Sommermonaten haben viele Wassertiere Paarungszeit.

 

Kryptozoologe lässt nicht locker

Der schwedische Kryptozoologe Jan-Ove Sundberg wollte es in 1977 genau wissen. Als enthusiastischer Selma-Fan reiste er mit großer Ausrüstung am Seljordsvatn an, fest entschlossen, Selma zu finden. Mit seiner Sonaranlage ermittelte er Signale, die ein großes Ziel anzeigten. In einer Tiefe von 18 Metern und genau unter seinem Boot bewegte sich etwas sehr, sehr großes. Wenige Tage später nahm das Sonar sogar drei Objekte auf, die parallel nebeneinander schwammen. Schließlich wollte der verzweifelte Sundberg Selma mit einer Reuse fangen. Das eigens angefertigte riesige Konstrukt blieb allerdings leer. Sundberg war kein Anfänger: Er hatte bereits Jahre zuvor versucht, die schottische Nessie in eine Seeschlangenfalle zu locken – leider auch erfolglos.

 

Neue Sichtungen im Seljordsvatn

Am 15. Juli 2003 wurden im See nochmals Seeschlangen gefilmt. Die Berichterstatter wollten anonym bleiben, doch zeichneten sie die vermeintlichen Seeschlangen eine ganze zeitlang auf. Auch auf diesem Doku-Material konnte Selma nicht wirklich identifiziert werden. Es zeichnet sich jedenfalls ab, dass die Seeungeheuer, die offensichtlich auch an Land kommen können, besonders furchterregend sind. So wird in antiken Schriften von Seeschlangen berichtet, die 7 Meter lang und 60 Zentimeter im Durchmesser waren. Sie ernährten sich nicht nur von Seetieren, sondern holten sich gelegentlich auch das Vieh von den Weiden. Viele der mittelalterlichen Beschreibungen von Seeungeheuer beziehen sich auf die skandinavischen Küstengewässer. Seeschlangen wurden schon immer an Norwegens Küste gesehen. Auch an der Ostküste Nordamerikas werden sie gelegentlich gesichtet.

 

Seeungeheuer mit Riesenhai verwechselt

Ein im Jahr 1977 geborgener drachenartiger Kadaver entpuppte sich als Riesenhai. Das Gebilde, das vom japanischen Fischtrawler Zuiyo Maru vor der Küste Neuseelands geborgen wurde, sah jedoch auf den ersten Blick wie ein Plesiosaurier aus. Vielleicht handelt es sich bei einigen der Seeschlangen-Sichtungen oder beim Auftauchen von Seedrachen tatsächlich um verwesende Riesenhaie – die zum Teil bizarre Formen annehmen können.
Selbst wenn es sich in einigen Fällen um Haie oder Wale handeln könnte, sind die Seeschlangen und Seeungeheuer, mit ihrem typischen, schlangenartigen und langgestrecktem Körper noch lange nicht vom Tisch. Denn die Ähnlichkeit mit bekannten aber ausgestorbenen Tieren, wie dem Zeuglodon oder dem Hydrarchus ist teilweise frappierend.

 

War es der Riemenfisch?

Der Tiefseefisch Regalecus glesne wird bis zu 8 Meter lang. Er hat einen langen, gestreckten und schlangenähnlichen Körper. Sein pferdeähnlicher Kopf hat einen Kamm, der einer Mähne ähnelt. Damit könnte er der wahrscheinlichste Kandidat für einige der Seeungeheuer-Sichtungen sein. Hin und wieder gerät er in Fischernetze oder wird sterbend am Strand angespült. Die Engländer nennen ihn den “Könige der Heringe”, so wie auch bei den Schweden; dort heißt er “Sillkung”. Im deutschen sagen wir “Heringskönig” – womit wir allerdings den Petersfisch meinen. Der Riemenfisch ist oft in Gruppen von zwei oder drei Tieren unterwegs. Im Schwarm bewegt er sich hingegen nicht. Die Tiere halten ihre Kopfkämme senkrecht nach oben, die langen Bauchflossen strecken sie horizontal vom Körper weg. Zwischen und Juli und Dezember laichen sie vermutlich im westlichen Atlantisk, der Küste Nordamerikas und der Westküste Floridas. Auch im Mittelmeer laichen sie in der der Straße von Messina.

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