Serienmörder Ted Bundy – süßer Blender im Käfer

| 30. Dezember 2020 |

„Kannst Du vielleicht…?“, der junge Mann mit der Armschlinge/Krücken/dem verbundenen Arm schaut hilfesuchend drein. „Klar doch“, antwortet die junge Frau. Jeder mit einem Packen Bücher beladen laufen sie über den Uni-Parkplatz zu dem hellen VW Käfer – in dem es keinen Beifahrersitz gibt. Unverfänglich, hilflos und charmant – so und ähnlich lockte Ted Bundy seine Opfer in die Falle.

 

Missbrauch über die Leichenstarre hinaus

Eigentlich ein schönes Paar: Die attraktive Studentin mit dem mittelgescheitelten, langem Haar und der „All-American-Boy“, der amerikanische Junge von nebenan; gut aussehend, charismatisch und redegewandt. Ted Bundy war kreativ. Unter einem Vorwand begleiteten ihn junge Frauen, ihn zu seinem VW „Beetle“, oder sie stiegen als Anhalterinnen ein. Teilweise stieg aber auch er ein: In die Erdgeschosszimmer im Studentenwohnheim und die Wohnungen seiner Opfer. Bundy misshandelte, vergewaltigte, schlug, verstümmelte, enthauptete und verging sich an den Leichen – bis zum fünften Stadium der Leichenstarre, der Putrefaktion. Er war nicht immer verletzt. Bundy gab sich auch als „Officer Roseland“ von der Polizei aus. Der brach ihm dann allerdings das Genick oder besser gesagt, er würde später noch für „Hochspannung“ sorgen. Der Stunt mit Roseland brachte ihn letztlich auf den elektrischen Stuhl.

 

30 Morde in 5 Jahren – der etwas andere Rekord

Theodore Robert Cowell wurde am 24. November 1946 in Burlington, Bundesstaat Vermont, geboren. 30 Morde hat er gestanden – verübt in den Jahren 1973 bis 1978. Wie genau seine Opfer zu Tode kamen und wie lange sie noch gelebt haben, wird wohl nie geklärt werden. Denn inzwischen ist auch Ted Bundy tot.

Einige der Leichen konnten nie gefunden werden. 12 junge Frauen vielen ihn in 1974 zum Opfer, 6 Frauen in 1975 und 3 weitere Opfer in 1978 – dem Jahr, in dem er „endgültig“ verhaftet wurde. Vermutlich ist die Mordliste des Ted Bundy noch viel länger. Manche sagen Bundy war der produktivste Massenmörder der amerikanischen Geschichte. Niemand weiß, wann genau Bundys Mordserie begann. Er selbst machte widersprüchliche Angaben – nicht nur dazu. Seinen ersten Mord habe er mit 27 Jahren, im Mai 1973 verübt, so Bundy. Die Leiche der Anhalterin wurde nie gefunden.

Von den 30 Morden hat er viele erst am Tag vor seiner Hinrichtung gestanden. Für den elektrischen Stuhl genügten allerdings nur drei nachgewiesene Morde. Erst am 24. Januar 1989 fand die Hinrichtung im Florida State Prison statt. Da war er 42 Jahre alt. Während seine Opfer in abgelegenen Gebieten von Tieren zerrissen wurden, wünschte sich Bundy, dass seine Asche in den Bergen der Kaskadenkette, des „Cascade Range“ im US-Bundesstaat Washington verstreut sollte. Dort landete sie dann auch.

 

War etwa Opa der Vater?

Seine Mutter, Eleanor Louise Cowell, brachte ihn in einem Heim für unverheiratete Mütter zur Welt. Wer Ted Bundys Vater war, wer auf welcher Geburtsurkunde eingetragen ist – all das lässt sich aus den Veröffentlichungen zum Fall nicht mehr erschließen. Als Vater soll auf der Geburtsurkunde ein Verkaufsangestellter der Airforce namens Lloyd Marshall eingetragen sein. Nach anderen Angaben stand dort „Unbekannt“. Eleanor, meist Louise genannt, gab an, dass sie von einem Kriegsveteran verführt wurde. Sein Name: Jack Worthington. Einige von Louise’s Familienmitglieder spekulierten, dass ihr eigener Vater den Sohn gezeugt hätte. Samuel Cowell, Ted Bundys Opa, war bekannt für seine Gewalttätigkeit. Bei seinen Großeltern in Philadelphia verbrachte der kleine Junge seine ersten drei Lebensjahre. Damit er nicht als uneheliches Kind galt – ein Skandal im Jahre 1946 – gaben ihn die Großeltern als ihr eigenes Kind aus. Seine Mutter war damit offiziell seine große Schwester. Die Lüge soll Bundy seiner Mutter Lüge lebenslang übel genommen haben. Von seinen Großeltern sprach er hingegen voller Wärme. Andere Familienmitglieder bezeichneten den Opa als Tyrannen, Fanatiker der Schwarze, Katholiken, Juden und Italiener hasste, seine Frau schlug, Hunde und Katzen am Schwanz durch die Luft rotierte.

Seinen Nachnamen Bundy erhielt er durch Adoption. In 1951 heiratete seine Mutter einen Krankenhauskoch, mit dem sie vier weitere Kinder hatte. Ted, zum Zeitpunkt der Hochzeit 5 Jahre alt, sollte zu Johnny Culpepper Bundy stets Distanz halten. Gegenüber seiner Freundin bezeichnete er den Adoptivvater abschätzend als „nicht sehr klug“ und „macht nicht viel Geld“.

 

„Sieht der gut aus!“

Bei seiner ersten Anhörung im Jahr 1975 dachte das amerikanische Fernsehpublikum: „Das muss eine Verwechslung sein“. In Handschellen vorgeführt wurde ein unverschämt gut aussehender Jura-Student Ende 20, mit hellbraunen Haaren und blauen Augen. Schick gekleidet und mit dunkelblauem Sakko wäre auch als ein Verwandter der Kennedys durchgegangen. Er bewegt sich lässig und geschmeidig durch den Gerichtssaal, witzelt mit der Presse und erzählt den Reportern „Ich möchte meinen Namen wiederherstellen. Ich möchte das alles in der Öffentlichkeit haben. Ich möchte, dass es im Fernsehen gezeigt wird“. In den Pausen liest er im „Archipel Gulag“ von Solschenizyn, einer Neuerscheinung. Alles wurde geklärt und Bundy kam hinter Gitter: Wegen des Kidnappings von Carol DaRonch. Sie sprang aus dem Käfer und überlebte.

Am 8. November 1974 sprach Officer Roseland die 17 jährige Telefonist in der Shopping Mall an: Jemand habe versucht, ihr Auto zu knacken und sie solle nun auf der Polizeistation Anzeige erstatten. Unterwegs bemerkt Carol DaRonch, dass das nicht der Weg zur Polizeistation ist. Bundy aka Officer Roseland fährt sofort rechts ran: Im folgenden Gerangel legte er ihr allerdings beide Handschellen am selben Arm an. Carol bekommt die Autotür auf und flieht.

Den Mord begeht Bundy dennoch. Am selben Abend verschwindet die gleichaltrige Debra Jean Kent. Auch ihrer Theatergruppe in der High School war ein Mann aufgefallen, der Schüler bat, ein Auto auf dem Parkplatz zu identifizieren. Dort fand die Polizei später Schlüssel, die zu Carol DaRonchs Handschellen gepasst hätten. Später gestand Bundy den Mord an Debra Jean Kent. Einzig eine Kniescheibe wurde gefunden und die konnte erst in 2015 per DNA-Test identifiziert werden. Carol und Debra waren die letzten bekannten Opfer des Jahres 1974.

Haare im Käfer und ein fehlender Beifahrersitz

Suchte er ein neues Opfer? In den frühen Morgenstanden eines warmen Augusttages im Jahr 1975 fällt einem Verkehrspolizisten ein VW Käfer auf, der scheinbar ziellos durch die Nachbarschaft fährt. So ein Auto fuhr auch der Kidnapper von Carol DaRonch. Der Polizist fand Handschellen, Müllbeutel, Seil, einen Eispickel und – der Beifahrersitz lag auf der Rückbank. Bei der Durchsuchung von Bundys Wohnung fand man eine Broschüre, die Werbung zum Theaterspiel der Viewmont High School enthielt – dort wurde die vermisste Debra Jean Kent das letzte Mal gesehen. Für eine Verhaftung reichten die Beweise nicht aus und Bundy wurde freigelassen. Übersehen hatten die Polizisten Polaroid Fotos der Opfer – die Bundy später vernichtete.

Einen Monat später, im September 1975, verkauft Bundy seinen VW Beetle. Der Käufer, ein Teenager konnte sich nicht lange über den deutschen Käfer freuen, denn das Fahrzeug wurde sofort vom FBI beschlagnahmt. Man fand Haare von Caryn Campbell, Melissa Smith und Carol DaRonch. Erst jetzt folgte eine Gegenüberstellung mit Carol DaRonch, die ihn eindeutig als „Officer Roseland“ identifizierte. Auch Debra Jean Kents Mitschüler erkannten den Mann wieder. Ohne Leiche konnte Bundy im Bundesstaat Utah nur wegen Kidnappings und dem Angriff auf DaRonch angeklagt werden. Seine Eltern zahlten die $15.000 Kaution und Bundy verbrachte die Zeit bei seiner Freundin, Elizabeth Kloepfer.

Verurteilt wurde er schließlich auch für den Mord an Caryn Campbell. Kein Problem für Bundy. Streng bewacht sprang er aus dem Bibliotheksfenster und verschwand in den Weiten des noblen Skiressorts Aspen. Lange dauerte die Flucht nicht und er war zurück im Gefängnis. Bei seiner Verhaftung fand man Landkarten und Unterlagen, die schließlich zum Auffinden von Caryn Cambpells Leiche führten -auch ihre Haare waren im Käfer gefunden worden. Immer noch kein Problem für Ted Bundy, denn ihm gelingt noch einmal die Flucht. Bundy konnte nicht nur morden. Auf seiner Flucht knackte er Autos, brach in Häuser ein, und stahl was er mitnehmen konnte.

 

Bundys Freundin – in guten und in schlechten Zeiten

Die geschiedene Elizabeth Kloepfer, die in Berichten auch als Liz Kendall, Meg Anders oder Beth Archer bezeichnet wird, war von 1969 bis 1976 – also noch nach seiner Verurteilung in Utah – mit Bundy zusammen. Mit der Sekretärin an der Universität von Washingtons Medizinschule blieb Bundy auch in Kontakt, als er sich für ein Jurastudium in Utah einschrieb.

Im November 1974 meldet sich Elizabeth Kloepfer nochmals bei der Polizei. Zwar zählte Bundy bereits zu den Hauptverdächtigen der Profiler, allerdings konnte keiner so recht glauben, dass der gutaussehende Jurastudent zu den Taten fähig war. Kloepfer hatte mehr als zuvor Bundy in Verdacht. Die Ermittler fanden heraus: Wann immer ein Mädchen verschwand, war Bundy nicht bei Kloepfer. Nichtsdestotrotz verbrachte sie Anfang 1975 eine Woche mit ihm. Dass sie ihn bereits dreimal bei der Polizei als möglichen Täter genannt hatte, sagte sie nicht. Im selben Jahr und kurz vor den Übergriffen auf DaRonch und Debra Jean Kent, lässt sich in einer Mormonenkirche taufen. Heiraten sollte er jedoch erst im Gefängnis von Florida. Nicht etwa Kloepfer, sondern Carole Ann Boone aus dem Bundesstaat Washington. Boone sagte häufig und gerne vor Gericht aus – zugunsten von Bundy.

 

Serienmörder betreut Selbstmord-Hotline

Im April 1974 geht Bundy nicht mehr zu den Jura-Vorlesungen. Gleichzeitig schnellt die Zahl der in der Gegend verschwundenen Frauen in die Höhe. Später behauptete Bundy, dass ihn das Versagen im Juristudium sehr mitgenommen hätte. Die anderen Studenten hatten etwas, so Bundy, das er nicht hatte. Den Vorlesungen konnte er nicht folgen – nicht einmal bei der Wiederholung des Erstsemesters. Er beschrieb das als „große Enttäuschung“. Konnte Ted Bundy mit den Rechtswissenschaften überhaupt nichts anfangen, so mutierte er im Fach Psychologie zum Ehrenstudent. Das Thema lag ihm offensichtlich besser. Der Blender, rücksichtslos, gesetzlos, brutal und grausam stand in hohem Ansehen bei seinen Psychologie-Professoren. Sie mochten ihn.

Seine Arbeitskollegin auch. Ann Rule beschrieb ihn als „freundlich, besorgt und einfühlsam“. Gemeinsam betreuten sie Seattle’s Notfall Hotline für Selbstmörder.

 

„It’s a Girl!“

Bundys Verbrechen zogen sich quer durch die USA – die Medienberichte auch. Als Ted Bundy im Februar 1980 schließlich das dritte Mal zum Tode verurteilt wird, ruft er im Gerichtssaal: „Sag den Geschworenen dass sie falsch liegen!“, gerichtet wohl auf die stets anwesende Carole Ann Boone. Doch sollten bis zur Hinrichtung noch Jahre ins Land gehen. Im Oktober 1981 wurde er Vater einer Tochter. Carole Ann Boone, die Mutter, fühlte sich „zutiefst betrogen“ als Bundy schließlich seine Schuld eingestand. Mit der gemeinsamen Tochter ging sie zurück nach Washington, nahm keinen seiner Anrufe mehr an – auch nicht am Morgen der Hinrichtung.

Prügeln, würgen und vergewaltigen

Nach eigenen Angaben begann das Morden erst im Jahr 1969. Doch erst eines seiner Opfer aus dem Jahr 1973 brachte auch eine Leiche bzw. deren Überreste zu Tage. Ann Rule und Robert D. Keppel, ein Kripobeamter, vermuteten, dass Bundy bereits als Teenager gemordet hat. Ein Mord, der an der 8 jährigen Ann Marie Burr aus Tacoma, trägt seine Handschrift – da war er 14 Jahre alt. Bundy bestritt die Tat. Doch auch Überfälle nach Einbrüchen gehen auf sein Konto. Eine Überlebende, die 18 jährige Studentin Karen Sparks (aka Joni Lenz, Mary Adams, Terri Caldwell) wohnte im Erdgeschoss, als sie von Bundy überfallen und mit einem Metall-Rohr vergewaltigt wurde. Die Schwerstverletzte ist seitdem physisch und geistig behindert. Auch Linda Ann Healy, Studentin und Radiomoderatorin, wurde in ihrem Erdgeschoss Zimmer von Bundy bewusstlos geprügelt. Er zog ihr Jeans, eine weiße Bluse und Boots an, und trug sie davon. Schädel und Unterkiefer fand man später an den Hängen des Taylor Mountain.

Seine Opfer wurden mit Handschellen gefesselt, bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen, vergewaltigt und erdrosselt oder man fand eingeschlagene Schädel mit tödlichen Verletzungen. Die zerstückelten Leichen transportierte er teilweise über große Entfernungen – um seine Spuren zu verwischen. Bundy kehrte oft an den Tatort zurück – um zu masturbieren.

 

Ted Bundy – und der Hass auf Frauen mit Mittelscheitel

Meist mordete er in einsamen Gegenden, wo die Schreie seiner Opfer ungehört verhallten. Die sterblichen Überreste der Opfer wurden vermutlich von wilden Tieren weiträumig verstreut. Ein vollständiges Skelett fand man nie. Nach Bundys eigenen Angaben enthauptete er mindestens eines seiner Opfer. Zwei andere, Melissa Anne Smith und Laura Ann Aime, beide 17 Jahre alt, wurden geschlagen, mehrfach und auch anal vergewaltigt, und mit Nylonstrümpfen erwürgt. Bundy gab zu, dass er Rituale mit den Leichen seiner Opfer praktizierte – wie etwa, das Waschen der Haare und Auflegen von Makeup. Wie lange die Opfer lebten oder ob sie erst lange nach dem Angriff an ihren schweren Wunden gestorben sind, ließ sich nicht mehr rekonstruieren.

Bereits während seiner High School-Zeit und noch vor seinem 18. Geburtstag wurde Bundy mindestens zweimal wegen Einbruchs und Autodiebstahls verhaftet. In Interviews mit Michaud und Aynesworth, die seine Biographie verfassten, gab er zu diesem Lebensabschnitt an, dass er damals „lieber allein sein wollte“, da er Beziehungen nicht erfassen oder verstehen konnte. Er behauptete, ihm fehle die natürliche Fähigkeit, Freundschaften zu entwickeln: „Ich wusste nicht, was soziale Interaktionen ausmacht. Ich wusste nicht, was Menschen veranlasst Freunde zu werden“. Seine Klassenkameraden sagten hingegen aus, dass man ihn gut kannte und dass er dort gemocht wurde. In Bezug auf seine „soziale Bedeutung“ innerhalb der Gruppe beschrieben sie ihn als „mittelgroßen Fisch im großen Fischteich“.

Fast alle Studien zu sexuell motivierten Psychopathen fördern eine nicht vorhandene Vaterfigur in der frühen Kindheit zu tage. Ted Bundy vergriff sich nicht an brutalen Männer, wie Samuel Cowell. Er mordete junge attraktive Frauen. Der Modus operandi des Ted Bundy nutzte die Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft der Frauen aus. Er war „gehandicapped“, wie etwa durch Krücken oder einen verbundenen Arm. Ermittler schätzen die Zahl seiner Opfer auf 60 bis über 100. Darüber hinaus kam es zu einer Vielzahl von Übergriffen, bei denen die Frauen überlebten. Auffallend dabei: Alle waren jung, sehr attraktiv und trugen ihr langes Haar mit Mittelscheitel und sie hatten Ohrlöcher.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.