Tsuchinoko – Japanische Monster wie aus einer Märchenwelt

| 30. Dezember 2020 |

Wörtlich bedeutet Tsuchinoko „Kind des Hammers“. Die japanische Tradition kennt den Tsuchinoko als eine 30 bis 80 cm schlangenartige Erscheinung, der mitunter als Kansai oder Shikoku benannt wird. Im Norden der Insel ist er auch bekannt – dort allerdings als Bachi-hebi. Schaut man sich den Tsuchinoko genauer an, werden Erinnerungen an die europäische und ägyptische Mythologie wach.

Gleich mehrere Tsuchinoko werden beschrieben. Doch nie wurde ein Exemplar gesichert und daher gilt der Tsuchinoko noch immer als Kryptid oder schlangenähnliches Fabelwesen. Doch – allen Unkenrufen zum Trotz gibt es tatsächlich eine erste Zeichnung des Tsuchinoko. Sie stammt aus dem Jahr 1958 und wurde von Kuroda Suizan angefertigt. Das auffällige an der Erscheinung des Tsuchinoko ist seine verbreiterte Mitte. Er ist fast gleichförmig mit Kopf und Schwanz, doch in der Mitte zeigt er eine deutliche Verdickung – eine ungewöhnlich Erscheinung bei allen bekannten Schlangenarten.

 

Vielseitige Kreaturen

Einigen Legenden nach soll der Tsuchinoko schrille Laute ausstoßen und sogar sprechen können und – dabei lügt er gerne. Mancherorts wird ihm eine Vorliebe für Alkohol nachgesagt, was wiederum das laute Schnarchen erklären könnte.

Auch soll er – im Gegensatz zu fast allen Schlangen – einen ausgesprochen guten Sehsinn besitzen. Der Tsuchinoko schnarcht, wenn er schläft. Ansonsten fallen die geheimnisvollen Kreaturen durch einen sehr unangenehmen Geruch und ihr tödliches Gift auf. Sie können, zumindest behaupten das manche, ihren eigenen Schwanz verschlingen, um dann in Reifenform herumrollen. Klingelt es da gerade? Ein endloser Kreis, bei dem sich eine Schlange in den Schwanz beißt? Das Yin und Yang der chinesischen Mythologie?

 

Im Grab des Tut-Anch-Amun

Das Bilden eines Reifens wird auch der Hoop Snake nachgesagt. Diese legendäre Kreatur ist in Amerika, Kanada und Australien bekannt. Die Hoop (Reifen) Schlange kann aus ihrem Körper einen Ring bilden, um ihre Beute zu jagen. Wie ein Reifen rollt sie hinter ihr her. Dies erinnert an die Darstellung des Ouroboros aus der griechischen Mythologie.

Der Ouroboros auch Uruboros ist ein uraltes Symbol, das eine Schlange oder einen Drachen symbolisiert, der in seinen eigenen Schwanz beißt. Seine Ursprünge hat der Ouroboros in der ägyptischen Ikonographie und machte über die griechische Mythologie ihren Weg in die westliche Legendenwelt. Häufig wurde er als Symbol in der Alchemie verwendet. Manchmal ist er auch ein Symbol für den ewigwährenden Zyklus der Erneuerung von Leben, Tod und Wiedergeburt. Schlangen werfen ihre Haut ab, was wiederum die Migration der Seelen repräsentieren soll. Das älteste Ouroboros Symbol wurde im Totenbuch, dem „Book of the Netherworld“ gefunden – im Grab des Tut-Anch-Amun aus dem 14. Jahrhundert vor Christus. Auch sehr viel später noch im 17. Und 18. Jahrhundert nach Christus schmückte das Ouroboros Symbol mit der zum Reifen geformten Schlange zahlreiche Grabsteine.

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