Mysterium U-Boot U65

| 25. Januar 2021 |

UB 65 begann am 18. August 1917 seinen Dienst bei der Kaiserlichen Marine. Auf sechs Feindfahrten versenkte es im Ersten Weltkrieg neun gegnerische Schiffe. Geschichte schrieb das U-Boot jedoch mit unerklärlichen Unfällen, Manövern, Geistererscheinungen und einem kaiserlich angeordneten Exorzismus an Bord. Und tatsächlich ist das Schicksal des U-Bootes bis heute nicht bekannt. Wurde UB 65 tatsächlich versenkt oder veranlasste etwas anderes die Besatzung, das Kriegsgerät von Kaiser Wilhelm II zu verlassen? Das unbeschädigt wirkende Wrack wurde noch nicht genauer untersucht: 44 Grad 52 Sekunden Nord, 13 Grad 50 Sekunden Ost wurde zum „Protected Place“ erklärt und niemand darf sich UB 65 nähern.

 

Das Spuk-U-Boot von der Kieler Germaniawerft

UB 65 gehörte der Klasse UB III an. Dieser Typ war für Handelskriegsoperationen um Großbritannien und das Mittelmeer entwickelt. Im Gegensatz zu den Kriegskameraden anderer Klassen war die UB III-Reihe nicht für das Auslegen von Seeminen konzipiert: Man hatte 2 Bug- und 2 Hecktorpedorohre an Bord und genug Munition um jedes Rohr einmal nachzuladen. Auf dem Deck von UB 65 wurde ein 10,5 cm Deckgeschütz installiert. Mit 4 Offizieren und 32 Mann Besatzung ging es am 11. Mai 1916 zu 11 Einsätzen, in denen 48 Handelsschiffe versenkt wurden. Was sich dann allerdings bei Pola (heute das kroatische Pula), dem damaligen österreichischen Marinehafen zugetragen hat, ist nicht überliefert. Vermutet wurde, dass sich UB 65 einen Tag vor der vereinbarten Übergabe der deutschen Kriegsflotte, selbst gesprengt hat. Pola wurde am 30. Oktober 1918 aufgegeben und fiel mit diesem Tag an Jugoslawien, dem damaligen Südslawien. Dort liegt UB 65 noch heute.

 

Unerklärliche Todesfälle an Bord

Unter den UB III-Boten des Kaisers nahm UB 65 schnell eine besondere Rolle in – allerdings nicht wegen seiner strategischen Erfolge. Um das Zweihüllen-Hochsee-Boot rankten sich die unheimlichsten Geschichten. Bereits auf der Werft soll ein Bauarbeiter ums Leben gekommen sein: Ein schwerer Träger rutschte aus dem Kran und verletzte den Mann tödlich. Damit nicht genug – in einem anderen Unfall wurde sein Kollege schwer verletzt. Auch er verstarb Tage später im Krankenhaus.

 

Von Geisterhand verriegelt

Am 26. Januar 1917 war das U-Boot zur Wartung in der Werft. Bei abschließenden Tests auf offener See sollen es das Leben von drei Besatzungsmitglieder gefordert haben: Die Tür zum Maschinenraum war wie von Geisterhand verschlossen und keine Bemühungen konnten die massive Metalltür öffnen. Die Männer erstickten qualvoll. Als schließlich ein Rettungsteam eintraf, ließ sich die Tür ohne Probleme öffnen.

 

Ruhige See – Mann über Bord

Ruhig und ohne besondere Vorkommnisse – das Meer soll wie eine ebene Glasfläche gewirkt haben. Für den Tag waren gemeinsame Übungsmanöver mit anderen U-Booten geplant. Der Kapitän beauftragt einen Hilfsoffizier, Deck und die Luken vor dem Abtauchen zu inspizieren. Zeugen sahen noch, wie der Offizier ruhig und leise über das Deck lief. Doch dann muss ihn irgendetwas erschreckt haben. So sehr, dass er über Bord gefegt wurde – in unmittelbarer Nähe der Propeller. Sofort wurde Alarm ausgelöst, um die Tauchfahrt abzubrechen. Ohne Erfolg!

 

Dunkle Stunden auf dem Grund des Meeres

Das U-Boot sank weiter und krachte schließlich mit einem Riss am vorderen Ballasttank auf den Meeresboden. 12 Stunden lang harrte die Mannschaft in Ungewissheit aus: Wird der Sauerstoff im Boot ausreichen? Können Sie das Boot vielleicht doch noch reparieren? Vielleicht war es genau in dieser Zeit und im Mannschaftsraum von UB 65, dass man sich der unerklärlichen Unglücke bewusst wurde. Nach quälenden Stunden der erfolglosen Fehlersuche wurden die E-Maschinen des UB 65 mit ihren 1.200 PS neu durchgestartet – ohne Probleme tauchte man auf. Allerdings nicht ohne Konsequenzen.

 

Gestrandet im Krankenhaus – der Tod der Besatzung

Als UB 65 wieder an der Wasseroberfläche erschien und die fast bewusstlose Mannschaft die Luken öffnete, zeigte sich das wahre Ausmaß der Katastrophe. Die gesamte Besatzung war körperlich am Ende. Im Krankenhaus konnten zwei der Seeleute nicht mehr gerettet werden. Auch der über Bord gegangene Hilfsoffizier blieb verschwunden. Vermutlich wurde er von den laufenden Propellern der 2.200 PS-Dieselmotoren zermalmt. Wieder einmal kehrte das U-Boot in seine Kieler Werft zurück. Ungewöhnliches wurde nicht gefunden und die zuvor noch den Tauchgang verweigernden Motoren funktionierten einwandfrei. UB 65 wurde für eine neue unheilvolle Feindfahrt freigegeben.

 

Sprengung an Bord von UB 65

Kisten mit Proviant werden an Bord geschleppt, um UB65 für seine nächste Feindfahrt vorzubereiten. Spezialisiert ist das U-Boot auf Handelsschiffe im Mittelmeer – und die der Briten. Als jedoch die Torpedos montiert werden, explodiert einer der Sprengköpfe. Ein zweiter Offizier und acht Besatzungsmitglieder kommen ums Leben, neun weitere Männer werden schwer verletzt. UB 65 gilt als verflucht und lieber heute als morgen möchte man das Spuk-U-Boot verlassen. Und vom Tod hat die Besatzung nun endgültig genug.

 

Neuer Kommandeur – neues Glück?

Um den Seeleuten den Schrecken zu nehmen, übernimmt Oberleutnant Karl Honig im Februar 1917 das Kommando auf dem Spuk-U-Boot. Honig ist kaiserlicher Offizier mit ausgezeichneter Erfahrung und Reputation. Das bringt schließlich auch die Mannschaft zurück an Bord. Doch lange dauert es nicht, bis die ersten Erscheinungen Angst und Schrecken verbreiten: Einige Besatzungsmitglieder haben den bei der Torpedoexplosion ums Leben gekommenen Offizier an Deck gesehen. Dort stand er, schweigend und mit verschränkten Armen.

 

Ankunft und Tod in Dover

An Bord greift die Angst um sich. Misstrauen, Furcht und böse Omen wabern durch die Enge des U-Boots. Mitten in der Feindfahrt legt man im englischen Dover an. Doch anstatt in der Sicherheit der Mannschaftsräume zu bleiben und auf die Fähigkeiten des Kameraden an der Deckkanone zu vertrauen, gilt nur noch eins: Nichts wie raus hier! Unter schwerem Bombenhagel versucht man an Land zu kommen. Nach nur wenigen Schritten wird der Kapitän im Hagel der Maschinengewehrkugeln tödlich getroffen. Das reichte und die Besatzung weigerte sich, nochmals an Bord von UB 65 zu gehen. Auch der Kriegsrat konnte mit einem Befehl nichts mehr ausrichten. UB 65 war verflucht und seine Besatzung zum Tode verurteilt. Der Kriegsrat schickte einen Exorzisten.

 

Exorzismus vor Torpedorohren

Schnell stellte sich heraus, dass der vom Kriegsrat beauftragte Experte nicht viel ausgerichtet hatte. Der Fluch ging weiter und die mysteriösen Beobachtungen, die Unglücke und das Pech an Bord dauerten an. Eines Nachts fiel der Artillerieoffizier in Ohnmacht und schilderte später, wie ihm der tote Offizier mit verschränkten Armen auf dem Deck begegnet sei. Am nächsten Morgen war er tot: Der Artillerieoffizier hatte Selbstmord begangen. Im allgemeinen Schock wurde der Unfall des Kameraden im Maschinenraum kaum mehr registriert: Beinbruch.

 

Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende?

UB 65 war längst zum Alptraum der deutschen U-Boot-Besatzungen avanciert. Niemand wollte auf dem verfluchten Spuk-Boot fahren, nicht einmal in der Nähe wollte man sein. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, am 1. Juli 1918, waren es nur noch vier Monate, als ein gegnerisches U-Boot die Küste vor Irlands patrouillierte – ganz in der Nähe des verspukten UB 65. Die USS L-2 durchkreuzte in Periskoptiefe die Atlantikküste. Nach den Aufzeichnungen soll der amerikanische Kapitän eine Erscheinung auf dem Deck von UB 65 gesehen haben: Einen Mann mit verschränkten Armen. Der Kapitän gab die Torpedos frei. Noch bevor die Torpedos überhaupt startklar waren, explodierte das deutsche U-Boot vor den Augen der Amerikaner. Doch wer hatte UB 65 versenkt? War es etwa die Gestalt mit den verschränkten Armen an Deck von UB 65?

 

Deserteure – die einzigen Überlebenden auf UB 65?

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges meldeten sich immer mehr Zeugen. Ehemalige Besatzungsmitglieder gaben zu, vom Spuk-U-Boot geflohen zu sein. Ihre Erfahrungen und Erinnerungen wurden protokolliert. Viele sahen seltsame Lichter im Boot. Ein anderer Zeuge wurde von einer körperlosen Hand im Gesicht berührt. Die Geschichten kamen auch Edgar Cayce, einem amerikanischen Journalisten und Medium, zu Ohren. Und auch er konnte zur Aufdeckung weiterer Ereignisse auf UB 65 beitragen.

Auch viele Unterlagen haben den Ersten Weltkrieg nicht überlebt. Die Kaiserliche Marine gab seinerzeit einen alternativen Bericht zu UB 65 heraus und bestritt einige der Ereignisse an Bord. Zugegeben wurde zumindest, dass das U-Boot tatsächlich unerklärliche Manöver ausgeführt habe, die außerhalb der Kontrolle und der Fähigkeiten seiner erfahrenen Mannschaft waren. Was allerdings tatsächlich in den letzten Stunden von UB 65 geschah, bleibt ein Mysterium. Gefunden wurde das Spuk-Boot in seinem Heimathafen Pula. Die „Channel 4 Wreck Detectives“ begaben sich dort auf archäologische Unterwassersuche. Das auf dem Meeresgrund entdeckte Wrack konnte anhand seiner Deckkanone und der Identifikationsnummer auf den Propellern eindeutig als UB 65 identifiziert werden. Was nicht gefunden werden konnte, waren eindeutige Spuren einer Explosion. Ganz ausschließen ließ sich diese jedoch nicht, so die amerikanischen Archäologen.